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Wasserschutz auf Öko-Flächen

Ein Bioland-Betrieb an der Ostseeküste zeigt, wie Fruchtfolge, Festmistdüngung und politische Rahmenbedingungen zum Trinkwasserschutz im Ökolandbau beitragen können.

1. April 2024 Presse-Artikel Eileen NicolaiAckerbau
Wasserschutz auf Öko-Flächen

Bio-Landwirt:innen sind dafür prädestiniert, mit der wertvollen Ressource Wasser schonend umzugehen. Sie stellten Strategien vor.

Landwirtschaft in Wasserschutzgebieten muss Auflagen beachten. — LANDPIXEL

Die Flächen des Bioland-Betriebs Gut Vorder Bollhagen liegen größtenteils im Trinkwasserschutzgebiet. Betriebsleiter Johannes Lampen legt deshalb besonders großen Wert auf eine wasserschonende Bewirtschaftung. Auf der Bio2030-Mitmachtagung am 6. März stellte er den Betrieb vor und erklärte, was er bei der Bearbeitung der Flächen im Trinkwasserschutzgebiet beachten muss. Der Gemischtbetrieb mit Mutterkuhhaltung liegt an der Ostseeküste zwischen Bad Doberan und Heiligendamm und hat eine Betriebsfläche von 510 ha Ackerland und 250 ha Grünland. Es befinden sich davon 600 ha in den Trinkwasserschutzgebieten I, II und III.

Johannes Lampen hat vor allem seine Fruchtfolge an die Anforderungen des Trinkwasserschutzgebietes angepasst. „Die Fruchtfolge ist für mich das entscheidende Steuerungssystem, um Trinkwasser zu schützen“, sagt er. Eine Bodenuntersuchung aus dem Jahr 2002 hat ihn dazu veranlasst, sich mehr mit der Fruchtfolge auseinanderzusetzen. Damals wurde in der Region ein hydrogeologisches Gutachten erstellt und dafür an 13 Standorten das Grundwasser untersucht. Die Konzentration des Nitrats war teilweise doppelt so hoch wie der erlaubte Grenzwert der Trinkwasserverordnung. Die Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass es dringend notwendig ist, bei der Arbeit schonend mit dem Grundwasser umzugehen.

Seitdem baut Johannes Lampen eine fünfgliedrige Fruchtfolge an und ist darin sehr variabel. Die Fruchtfolge bricht er mit Kulturen wie Raps oder Kartoffeln auf. „Eine wichtige Grundlage ist, dass ich mit Festmist dünge“, so der Landwirt. Der Festmist ist ein langsam wirkender Dünger und eignet sich daher gut für die Gegebenheiten auf seinen Flächen. Er bringt zum Beispiel 20 t/ha Festmist auf Kleegras vor Hafer aus, da Hafer nicht nur das Kleegras, sondern auch den Festmist gut verwerten kann. Auch im Kartoffelanbau setzt er auf die Düngung mit Festmist. Nach den Kartoffeln hat sich seiner Erfahrung nach Roggen bewährt, bei dem er dann gesichert mehr als 4 t ernten kann. Der Trinkwasserschutz und eine damit einhergehende niedrige N-Düngung bringen auch Probleme mit sich. Für Johannes Lampen ist es herausfordernd Winterweizen anzubauen, der im Frühjahr viel Stickstoff benötigt. Alternativ setzt der Landwirt auf Wintergerste und Winterroggen.

Johannes Lampen nimmt außerdem auch die Politik in die Pflicht. Zukünftig brauche es eine agrarpolitische Weichenstellung für eine Bevorzugung des ökologischen Landbaus in Wasserschutzgebieten. Dazu gehört seiner Meinung nach auch, dass sich die Forschung vermehrt dem Trinkwasserschutz widmet.

Neben dem Betrieb Gut Vorder Bollhagen stellten auf der Bio2030-Mitmachtagung noch weitere Betriebe ihre Wasserschutzkonzepte vor. Mit dabei war auch der Bioland-Betrieb Wassergut Canitz in der Nähe von Leipzig, auf dem im Jahr 2025 die nächsten Öko-Feldtage stattfinden werden.

Bioland-Landwirt Christian Häge aus Baden-Württemberg schafft es, gute Kartoffelerträge mit niedrigen Nmin-Werten im Herbst zu kombinieren. Wie ihm das gelingt, darüber hat die top agrar berichtet.

top-agrar-Bericht über Christian Häge:
www.tinyurl.com/2f5x7hc8
Weitere Infos: www.bio2030.de, www.gut-vorder-bollhagen.de

Anmerkung Gustav Alvermann: Entscheidend für die N-Aufnahme im Herbst ist die frühe Aussaat von Winterroggen und virusresistenter Wintergerste Mitte September.