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Eine Frage des Handwerks

Eine Frage des Handwerks

1. Januar 2019AckerbauPresse-ArtikelGustav Alvermann

Das Unkraut im Zaum zu halten verlangt im Ökolandbau viel Fingerspitzengefühl. Das Zusammenspiel zwischen Fruchtfolge, Düngung und Bearbeitungstechnik muss noch ausgefeilter sein als im konventionellen Anbau. Gustav Alvermann sagt, wie es funktioniert.

»Gesundheit bekommt man nicht im Handel, sondern durch den Lebenswandel«, konstatierte Vater Kneipp. Übertragen auf den Ackerbau bedeutet ein gesunder Lebenswandel ein gutes Verhältnis zwischen Pflanzenbau und Tierhaltung sowie eine ausgeglichene Fruchtfolge aus Futterbau, Drusch- und Hackfrüchten. Dieses Grundkonzept trifft heute auf Betriebsstrukturen, die vorbeugende Problemlösung nur noch begrenzt abbilden.

Die Wirkung von Herbiziden verfällt umso schneller, je einseitiger der Anbau und je höher die Anwendungsfrequenz einzelner Wirkstoffe ist. Das zeigt sich etwa am Ackerfuchsschwanz hinterm Deich und am einseitigen Winterweizenanbau.

Bio-Milchviehhalter und -Ackerbauer Henning Gehs bietet hartnäckigen Disteln mit Kleegras die Stirn. — Foto: Alvermann
Landwirt Dag Brodersen aus Nordfriesland bewegten massive Probleme mit Ackerfuchsschwanz zur Umstellung auf den Ökolandbau. — Foto: Alvermann

Fuchsschwanz und neue Hacktechnik

Dag Brodersen stellte nach Problemen mit Ackerfuchsschwanz radikal um: Schweineställe auf Bio-Standard, Einstieg des Ackerbaus in den Ökolandbau und Zupacht eines langjährigen Biobetriebes. Heute bilden 1 200 Mastplätze auf 400 ha Ackerland das Grundgerüst. Die Grundidee lautet: »Gegen Eisen gibt es keine Resistenzen«.

Eine schwedische kombinierte Sä- und Hackmaschine vereint Saat auf 8 m Arbeitsbreite mit späterer Hackpflege im 25-cm-Reihenabstand. Sie ist teuer, liefert aber sowohl bei Saat als auch Hackpflege Schlagkraft. Zusammen mit Vorauflaufstriegeln und Fruchtfolgeumstellung scheint die Rechnung beim Fuchsschwanz aufzugehen.

Hat der Fuchsschwanz Anfang Mai die Ähren geschoben, sind seine Halme sehr zerbrechlich. Der Weizen steht nach spätem Striegeln wieder auf, der Fuchsschwanz bleibt unten. — Foto: Alvermann
Eine robuste kombinierte Sä- und Hackmaschine aus Schweden vereint Saat und spätere Hackpflege im 25-cm-Reihenabstand. — Foto: Schumacher

Die Distel zeigt der Hacke ihre Grenzen

Fuchsschwanz lässt sich durch weniger frühen Stickstoff, erweiterte Fruchtfolge und Hackmaschine deutlich schwächen. Die Distel dagegen hackt man nicht weg; sie wird durch die Hacke zum verstärkten Wiederaustrieb angeregt und vermehrt sich dadurch. Nach mehreren Jahren ohne Herbizide können Disteln, Ackersenf, Kornblume und andere Unkräuter je nach Standort neu auftreten.

Fruchtfolgemaßnahmen gegen einzelne Unkräuter. Quelle: leicht verändert nach Prof. Dr. W. Simon, 1967.

UnkrautMaßnahmen
Fuchsschwanz/ WindhalmFutterbau, Hackfrüchte, Wintergetreide ab 20. Oktober
KornblumeFutterbau, Hackfrüchte, Wintergetreide ab 20. Oktober
Mohnmehrjähriger Futterbau, Hackfrüchte
Ackersenf, HederichFutterbau, Wintergetreide, saubere Hackfrüchte
Distelnmehrschnittiger Futterbau – insbesondere Luzerne

Kleegras sorgt für ackerbauliche Stabilität

Biolandwirt Henning Gehs berichtet, dass er mit Hacke und Striegel gar nicht erst angefangen habe. Auf schwerem, wechselhaftem Geschiebemergel an der Grenze zwischen Holstein und Mecklenburg sorgt ein zweijähriges Kleegras für Tiefendurchwurzelung als Konkurrenz zur Distel und durch regelmäßigen Schnitt für ein langsames Entleeren der Speicherorgane. Auch Samenunkräuter werden durch Bodenruhe, Schnitt und verhindertes Aussamen zurückgedrängt.

Gustav Alvermann, Bio-Ackerbauberater. — Foto: Alvermann

Wer gut genug vorsorgt, bekommt in der Regel keine Probleme mit Unkräutern.

— Gustav Alvermann
Gülle ins Saatbett ist ein grundsätzlicher Fehler: angesammelter Samenvorrat an Ackersenf kann förmlich explodieren. — Foto: Alvermann

Gülle, Gärreste und Saatbett

Gülle und Gärreste sollten nicht zu früh ausgebracht werden. Ökolandbau reguliert durch den Verzicht auf Mineralstickstoff nicht unbedingt die Anzahl der Unkräuter, wohl aber deren Wüchsigkeit. Bei kühlen Temperaturen und wenig entwickelten Getreidepflanzen profitieren Unkräuter überproportional von früher Düngung. Spät gedüngte Getreidebestände sind meist sauberer als gar nicht gedüngte.

Besonders kritisch ist Gülle oder Gärrest ins Saatbett von Sommergetreide. Das bearbeitete, nicht bewachsene und mikrobiell wenig stabilisierte Saatbett kann durch zusätzliche Kali-Belastung einen ausgeprägten Keimreiz auf Unkrautsamen erfahren.

Striegeln nur bei passenden Voraussetzungen

Striegeln entfaltet seine Wirkung nur, wenn Kulturpflanzen gleichmäßig aufgehen, der Boden feinkrümelig und striegelfähig ist, die Witterung Befahren und Bearbeitung ermöglicht und Situationen geschaffen werden, in denen Unkräuter empfindlich sind, die Kulturpflanze aber nicht. Moderne Voraussetzungen können RTK-gelenkte Schlepper, hydraulische Zinkendruckverstellung und ein vorn angebauter Striegel sein. Oberste Devise: keine Lücken in den Bestand striegeln.

Ist der Striegel in Front angebaut, hat der Fahrer bessere Übersicht und kann Zinkendruck und Fahrgeschwindigkeit an Pflanzen- und Bodenzustand anpassen. — Foto: Wittenberg

Kulturarten bestimmen die Intensität

Die verschiedenen Kulturpflanzen haben sehr unterschiedliche Eigenschaften. Der Anspruch an technische Hilfe steigt in der Reihenfolge Getreide, Blattfrüchte, Hackfrüchte, Feingemüse. Roggen und Sommergerste zeichnen sich durch schnelle Jugendentwicklung aus und trotzen Unkräutern früh Standraum, Wasser und Nährstoffe ab. Mais, Ackerbohne und Erbse ermöglichen wegen tiefer Saat intensives Vorauflaufstriegeln, während klassische Hackfrüchte und Feingemüse deutlich arbeitsintensiver sind.

Fazit

Gelungene Unkrautbekämpfung ist im ökologischen Landbau neben angemessener Stickstoffversorgung ein zentraler Faktor. Sie als Ersatz der Spritze durch Hacke und Striegel zu begreifen, wäre zu kurz. Im landwirtschaftlichen Bereich gibt es unterschiedliche Lösungsvarianten: Getreide benötigt bei passenden vorbeugenden Faktoren teils keinerlei technischen Eingriff; wenn Technik eingesetzt wird, müssen feinkrümeliges Saatbett und gleichmäßige Feldaufgänge gesichert sein.