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Fast eine Welt für sich

Gustav Alvermann ordnet ein, warum Bayerns Ökolandbau trotz eines nur moderat höheren Flächenanteils eine besondere Rolle in Deutschland spielt. Der Beitrag verbindet Kennzahlen zu Betrieben, Fläche und Biomilch mit regionalen Beispielen aus Alpenvorland, Franken, Unterfranken und Oberbayern und zeigt, wie Klima, Verarbeiterstrukturen und einzelne Betriebsmodelle die bayerische Bio-Landschaft prägen.

1. März 2023 Presse-Artikel Gustav AlvermannMarkt & Politik
Fast eine Welt für sich

Der Ökolandbau in Bayern lässt sich an Vielfalt (auch klimatisch bedingt) kaum übertreffen. Dabei hat es prozentual gar nicht mal so viel mehr »Bio« als andere Bundesländer. Gustav Alvermann berichtet von Biomilch aus dem Alpenvorland, Soja, Sonnenblumen und mehr.

Gemessen an der Zahl der Biobetriebe machen die beiden südlichen Bundesländer den deutschen Ökolandbau unter sich aus. Baden-Württemberg stellt 31 % der deutschen Biobauern und Bayern 32 % (Übersicht 1). Sicherlich beeinflussen Sondereffekte wie Nebenerwerbler mit wenigen Hektar Streuobstwiesen im Süden die Statistik stärker als im Norden und Osten von Deutschland, aber die hohe Anzahl der Betriebe im Süden ist dennoch ein Statement. Danach kommt lange nichts, und dann kommt das im Bioflächenanteil auf Landesebene ganz oben rangierende Hessen mit 6,6 % der Betriebe. Da der Anteil an der gesamtdeutschen Fläche nicht so immens groß ist, heißt das im Umkehrschluss, dass die Süddeutschen kleinere Betriebe bewirtschaften als der Rest der Republik. In Baden-Württemberg verfügt der durchschnittliche Biobetrieb nach Angaben der BLE über 20 ha LF und in Bayern über knapp 40 ha. Im Bundesschnitt sind es gut 50 und in Ostdeutschland eher 150 bis 200 ha.

Übersicht 1: Anteil Bayerns an Deutschland gesamt (Ende 2020). Quelle: BLE.
DeutschlandBayernAnteil (ca. %)
LF insgesamt16 595 024 ha3 107 697 ha19
Grünlandfläche bio880 000 ha188 000 ha21
Ackerfläche bio760 000 ha185 000 ha24
Biobetriebe30 7009 70032
Milcherzeugung bio1 200 Mio. kg590 Mio. kg49

Beim Anteil an der deutschen Biofläche liegt Bayern im Vergleich zu anderen Ländern vorn. Es stellt mit 23 % fast jeden vierten Biohektar in Deutschland. Die nachfolgenden Bundesländer kommen gerade einmal auf die Hälfte. Baden-Württemberg bewirtschaftet 11,4, Brandenburg 11,1, Mecklenburg-Vorpommern 10,4 % der deutschen Biofläche. Der deutsche Ökolandbau trägt so gesehen einen deutlich bayerischen Stempel – neben dem ebenso wichtigen Baden-Württemberg. Die Stammtischhoheit in den meisten deutschen Bioverbänden liegt klar im Süden – und deren Verwaltungszentralen natürlich auch. Das »mia-san-mia« gibt es nicht nur im Fußball.

Und in noch einem Punkt ist Bayern führend: Fast 5 000 der etwa 20 000 deutschen Biolebensmittelhersteller sind in diesem Bundesland beheimatet – das ist wiederum etwa ein Viertel (Meldungen der Ökokontrollstellen zum Stichtag Ende 2020). Zählt man Baden-Württemberg hinzu, so sind es nahezu die Hälfte der deutschen Bioverarbeiter. Neben Betrieben und Fläche geht es somit deutlich auch um Wertschöpfung. Es fahren erheblich mehr LKW mit Biorohstoffen gen Süden als umgekehrt.

Übersicht 2: Bioanteile der Milcherzeugung in Deutschland (2020). Quelle: milk.de.
Milchmenge gesamt (Mio. kg)davon bio (Mio. kg)Bioanteil (%)
Nordwestdeutschland (SH, Nds., NRW)13 5912451,8
Ostdeutschland (MV, BB, S.-Anh., Thr., Sachs.)6 2491222,0
Süddeutschland (BW, Bay., HE, Rhl.-Pf., Saarl.)11 9868727,3
Deutschland insgesamt31 8261 2393,9

Rindfleisch aus Franken ...

Insgesamt liegt Bayern im Bioflächenanteil mit 12,4 % nur leicht über dem Bundesdurchschnitt (Ende 2020). Betrachtet man die Karte auf Landkreisebene, so fallen zwei Regionen mit deutlicher Konzentration auf: ganz im Norden Spessart, Rhön, Frankenwald und Fichtelgebirge, ganz im Süden das Alpenvorland. Auch in Bayern ist das Dauergrünland überrepräsentiert: 21 % davon sind bio. Die fränkischen Mittelgebirgsregionen im Norden haben eher ein extensives Bewirtschaftungsregime über Fleischrinder mit einem Bioflächenanteil von 20 bis 30 %.

Ökoflächenanteile in Bayern (im Jahr 2020). Quelle: Statistische Dienste des Bundes und der Länder. — Quelle: Statistische Dienste des Bundes und der Länder

Bildbeschreibung: Die Karte zeigt den Ökoflächenanteil in Bayern nach Landkreisen mit den Klassen »bis 10 %«, »bis 20 %« und »über 20 %«. Zusätzlich markiert sie Würzburg, Nürnberg, Regensburg, Augsburg und München sowie die drei im Beitrag genannten Betriebsstandorte Schloss Gut Obbach/Euerbach, Erlangen und Aichach. Die räumliche Verteilung und Quellenangabe bleiben als Bild erhalten; es werden keine Landkreiswerte ergänzt oder erfunden.

... und Biomilch aus dem Alpenvorland

Mit 590 Mio. kg pro Jahr ist nahezu die Hälfte der deutschen Biomilch bayerisch. Die südlichen Regierungsbezirke Schwaben und Oberbayern stellen etwa die Hälfte der Biofläche im gesamten Bundesland und bei vergleichsweise kleinen Betrieben wohl einen noch höheren Anteil der Betriebe. Die Biomilcherzeugung vom Grünland im Alpenvorland ist eine regionale Spezialität. Ab einer horizontalen Linie südlich München übersteigen die jährlichen Niederschläge im langjährigen Schnitt 1000 mm. Hinzu kommt deren Jahresschwerpunkt in der Vegetationszeit, begleitet durch hohe Temperaturen (im Gegensatz zur maritimen Regenverteilung in Norddeutschland). Bei »warm und feucht« wächst Grünland fast von allein. Daraus mit hohem Grundfutteranteil eine gute Biomilch zu ermelken, ist das Geschäftsmodell dieser Region. Auf dieser Grundlage reihen sich vom Allgäu bis nach Berchtesgaden Landkreise mit ausgeprägt hohen Bioanteilen aneinander.

Glückliches (Ober-)Bayern.

Von den etwa 50 registrierten Biomolkereien in Deutschland befinden sich nicht wenige im Süden der Republik. Prägend dafür sind die Andechser Molkerei Scheitz südwestlich von München und die Milchwerke Berchtesgadener Land in Piding. Beide haben je gut 600 Bio-Zulieferbetriebe. Die Andechser verarbeitet ausschließlich bio, die Berchtesgadener Land hat bereits in den 1970er Jahren zur konventionellen und einer Bergbauernlinie eine Biolinie dazu genommen. Ein typischer Erzeugerbetrieb dieser Region bewirtschaftet 25 ha, hält 30 Milchkühe mit je 6000 l Jahresleistung und liefert so ca. 180 000 l Milch im Jahr. Die geringe Intensität bei Düngemitteln und Kraftfutter und der geringe Pachtflächenanteil der vergleichsweise kleinen Betriebe mag dem staunenden Betrachter aus anderen Regionen Deutschlands erklären, wie solch eine Erzeugungsstruktur voll kostendeckend funktionieren soll. Hinzu kommt Zuerwerb aus dem Tourismus, der einen bedeutenden Anteil am Erhalt vieler Betriebe hat.

Einen gar nicht so kleinen Wermutstropfen gibt es allerdings: Viele kleine und/oder im Ort beengte Betriebe arbeiten auch im Ökolandbau mit der sogenannten »Kombihaltung«. Weil ein täglicher Auslauf nicht für jeden Betrieb mit Anbindehaltung realisierbar ist, hat man einen Kompromiss gefunden: im Sommer voller Weidegang, im Winter einmal pro Woche losbinden und Frischluft. Ob und wenn ja, wie lange diese Lösung Bestand haben wird, darüber ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Klar ist: Beim Generationswechsel oder bei einem Neubau wird der Laufstall zur naheliegenden Lösung – wie überall.

Kleegras erweist sich auch bei begrenzter Viehhaltung immer wieder als Schlüsselfaktor. Foto: landpixel. — Foto: landpixel

Mit Schälsonnenblumen ein volles Blattfruchtfolgeglied erschlossen.

— Bernhard Schreyer, Schloss Gut Obbach. 250 ha Ackerbau auf Kalksteinverwitterung, zweijähriges Kleegras für Vorfrucht und Kompost, Schälsonnenblumen, Saatgutvermehrung Getreide und Leguminosen, Obstanbau für Hofladen und Regionalvermarktung.
Bernhard Schreyer, Schloss Gut Obbach, zu Schälsonnenblumen als Blattfruchtfolgeglied.

Sonnenblumen in Unterfranken

Etwa 10 % der Ackerfläche in Bayern wird biologisch bewirtschaftet. Das ist viel im Vergleich zu anderen Bundesländern. Dabei wird das Ackerland in Bayern keinesfalls verschenkt. Mit 564 €/ha im Landesschnitt kamen die Preise bei Neuverpachtungen 2020 gleich hinter den »teuren« Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Die grobe Aufteilung der Biobewirtschaftung ist auf Landesebene 50 % Getreide und Körnermais, 30 % Futterbau, 10 % Eiweiß- und Ölpflanzen, 5 % Hackfrüchte und Gemüse, 5 % Sonstiges. Die Regionen setzen dabei aufgrund der unterschiedlichen Wasserversorgung insbesondere bei den heute so gesuchten Öl- und Eiweißpflanzen unterschiedliche Akzente. Das Schloss Gut Obbach in der Nähe des unterfränkischen Schweinfurt hat sich neben der Saatgutvermehrung von Getreide und Körnerleguminosen auf den Anbau und die Schälung der trockenheitsverträglichen Sonnenblume spezialisiert. Insgesamt werden für einen Verarbeiter in Norddeutschland 2 500 t eigene und Sonnenblumen von Partnerbetrieben aus der engeren und weiteren Region geschält und aufbereitet.

Biomilch aus dem Alpenvorland: eine regionale Spezialität, die schon lange entsprechend vermarktet wird. Foto: momanuma/stock.adobe.com. — Foto: momanuma/stock.adobe.com

Fruchtfolge und Düngeregime richten sich nach den flachgründigen, schweren Böden auf Muschelkalk und dem trockenen Klima. Eine Hackfrucht in Form von Kartoffeln für die Direktvermarktung gibt es nur auf ausgesuchtem Land und wenigen Hektaren. Das Luzerne-Kleegras steht heute zweijährig, als mobiler Dünger wird eigener Kompost aus Luzerne-Kleegras-Aufwuchs und Sonnenblumenschalen eingesetzt. Körnerleguminosen stehen als Winterung im Gemenge mit Triticale (Saatgutvermehrung von Wintererbse und Pannonischer Wicke). Die Vermarktung bedient drei verschiedene Stränge: die Direktvermarktung im eigenen Hofladen, eine Regionalvermarktung mit eigenem Hoflogo in Supermärkten und als drittes überregionale Abnehmer mit aufbereiteten Rohwaren wie den Sonnenblumenkernen bzw. Saatgut für Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen.

Die Landwirte werden dabei von mittlerweile vielen guten Bioberatern unterstützt – aus Anbauverbänden, dem Landwirtschaftsamt oder privaten. Aber keiner von ihnen hat den fränkischen Bioackerbau so geprägt wie der wahrscheinlich dienstälteste Bioland-Berater Manfred Weller aus Erlangen-Büchenbach. Mittlerweile gemeinsam mit seinem Sohn Stephan, der auch zunächst in der Beratung und jetzt im Biohandel aktiv ist, bewirtschaftet er viehlos einen 30 ha großen Nebenerwerbsbetrieb in Mittelfranken. Die Eckpunkte seiner »Bewirtschaftungsphilosophie« sind eine Hauptfrucht-Grünbrache im Fruchtfolgeverlauf und wie im eigenen Betrieb so auch in der überwiegenden Zahl der beratenen Betriebe die Hackpflege der Druschkulturen in 25er bis 30er Reihe. Sind Kartoffeln auf den leichteren Böden im Portfolio, so geht bei der Grünbrache die Tendenz zu einem Gemenge aus Körnerleguminosen und etwas Hafer, das man zur Samenreife kommen lässt und dann per Scheibenegge einarbeitet, damit es noch mal aufschlägt. Der gefürchtete Drahtwurm bei den Kartoffeln hat diese Variante mit dem durch Bearbeitung unterbrochenen zweimaligen Aufwuchs entstehen lassen. Auf schwereren Böden ist das tragende Fruchtfolgeglied eher das übliche Kleegras, das bei Gelegenheit auch schnittgenutzt wird (Kooperationsbetriebe, Biogasanlagen). Die vergleichsweise intensive Herangehensweise (20 – 25 % Hauptfrucht-Grünbrache + Hackpflege) sieht Landwirt und Berater Weller auch als Verpächterpflege. Gute Bestände sind da nie ein Nachteil.

Viehloser Bioackerbau mit Hauptfrucht-Grünbrache und Hackpflege.

— Berater und Landwirt Manfred Weller, Erlangen-Büchenbach, 30 ha lehmiger Sand, Druschfrüchte auf Leguminosenbasis, Kartoffeln und Ölkürbis für höhere Wertschöpfung, Hofladen.
Berater und Landwirt Manfred Weller, Erlangen-Büchenbach.

Soja und Körnermais in Oberbayern

Monatlich 80 bis 100 mm Regen von Mai bis Juli, begleitet durch eine ausgeprägte Wärme: Das bedeutet auf den handhabbaren 50er Böden im Tertiären Hügelland nördlich von München eine Fruchtfolge wie Kleegras – W-Weizen + ZwFr. – Körnermais – Soja – Dinkel. Das Wintergetreide generiert nach Leguminose stehend und mobil gedüngt hohe Erträge und Qualitäten. Der Körnermais tut das aufgrund des späten N-Bedarfes und besten Mineralisierungsbedingungen aus der Zwischenfrucht ohnehin. Und Soja als Stickstoff-Selbstversorger punktet mit seinem hohen Preis. Keine der genannten Druschfrüchte dürfte im Umsatz auf diesem Standort unter 2000 €/ha bleiben, die beiden Blattfrüchte eher sogar über 3000 €/ha. Das reicht durch die geringen Dünge- und Pflanzenschutzkosten auch für das Abdecken der in dieser Region durchaus happigen Pachtpreise.

Der regionale Absatz von Biogerste und -hopfen profitiert von dieser bekannten Biermarke seit 1986. Foto: cineberg – stock.adobe.com. — Foto: cineberg – stock.adobe.com

Ein prägender Vertreter dieser Region ist Johannes Kreppold aus Aichach bei Augsburg. Die Umstellung und langjährige Biobewirtschaftung des 100 ha Ackerland umfassenden Betriebes hatte bereits Vater Stephan im Jahre 1982 eingeleitet. 40 Jahre bio und in der Ackerkultur sowie bei den Erträgen ganz weit oben, dazu gehört landwirtschaftliche Akribie. Bei Kreppold ist das Kleegras zweijährig, die Nährstoffe aus dem Aufwuchs werden in Form von kompostiertem Rindermist zurückgeliefert. Hinzu kommt Hühnertrockenkot aus einer Futter-Mist-Kooperation im Austausch gegen Körnermais. Der Bodenschutz steht durch leichte Technik und durch das Achten auf die richtigen Termine bei der Bearbeitung ganz oben. All das sind Bausteine für ackerbauliche Stabilität und gute Ergebnisse bei den Marktfrüchten. Beim Mais ist der Ertrag in dt/ha auch mal dreistellig. Bei Soja ist es bei Verwertung in der Tofuherstellung der Preis.

Körnermais und Sojabohnen sind bei uns die lukrativsten Druschfrüchte.

— Johannes Kreppold, Aichach, 100 ha Ackerbau und 20 ha Grünland, zweijähriges Kleegras für Vorfrucht und Rinderhaltung, Weizen, Dinkel, Roggen, Körnermais, Soja, Hafer; Futter-Mist-Kooperation mit Biolegehennenhalter; Rindfleisch-Direktvermarktung und Hofladen.
Johannes Kreppold, Aichach.

Warum viel oder wenig Bio?

Außerhalb der Grünlandregionen schwanken die Bioflächenanteile auf Landkreisebene zwischen 8 und 14 %. Einige liegen ein Stück darüber. Viele Faktoren befeuern die Entwicklung. Neben Regionalinitiativen und Einzelakteuren (als Bündler für bestimmte Produkte) können das betriebliche Strukturen oder regionale Verarbeiter sein. Beispielsweise beträgt der Anteil der Nebenerwerbsbetriebe im Nürnberger Land 80 %, und die überregional bekannte Biobrauerei Neumarkter Lammsbräu liegt in der Oberpfalz. Demgegenüber gibt es aber auch Landkreise in Bayern, die sich in Sachen bio auffallend zurückhalten. Hier greifen Hemmfaktoren, die schon aus anderen Regionen Deutschlands bekannt sind. Beste (»Gäu-«) Böden, intensive landwirtschaftliche Erzeugung mit Körnermais und Veredelung, Zuckerrüben und Kartoffeln oder Biogasanlagen treiben die Pachtpreise und senken im Gegenzug die Bio-Affinität.

Gemüsebau und Hackfrüchte nach Standorteignung

Gemüse, Kartoffeln und Zuckerrüben brauchen gleichmäßiges, handhabbares Land und eine Mindestwasserversorgung. Die Ansprüche an den Boden gelten bei mechanischer Beikrautbeseitigung um so mehr. Von daher findet sich Gemüse rund um Würzburg, im Knoblauchsland bei Nürnberg und in Niederbayern. Mit knapp 3 000 ha Freilandfläche und einem Anteil von etwa 17 % sowohl am bayerischen Gemüsebau als auch am gesamtdeutschen Biogemüsesegment ist das Bundesland auch hier gut vertreten. Die deutsche Biokartoffelfläche füllt allen voran Niedersachsen mit seinen großen, spezialisierten Betrieben und einem Schwerpunkt der Vermarktung in überregionalen Lieferketten auf. Aber gleich danach kommt Bayern mit einer hohen Anzahl an Betrieben und deutlich diverseren Vermarktungswegen.

Die Zuckerrübe wächst bio ebenfalls vorwiegend in den angestammten Regionen. Es gibt zwei relevante Abnehmer. Die süddeutsche rebio-Erzeugergemeinschaft lässt Verbandsware grenznah im schweizerischen Frauenfeld verarbeiten. Seit 2020 kommt die Südzucker in Rain am Lech dazu. So erreicht die Anbaufläche in Bayern einen gut vierstelligen ha-Wert.

Fazit

Das größte deutsche Bundesland ist in Sachen ökologischer Landbau eine Welt für sich. Es stellt ein knappes Viertel der deutschen Biofläche und fast ein Drittel der Betriebe. Mit 590 Mio. l Milch ist die Hälfte der deutschen Biomilch bayerischen Ursprungs. Ein regionaler Schwerpunkt für dieses Produkt ist das Alpenvorland. Für guten Backweizen ist es Oberbayern, für Braugerste die Oberpfalz, und für Feldgemüse sind es unter anderem die angestammten Gebiete in Franken und Niederbayern.

Namhafte regionale Verarbeiter runden das Bild ab. Wertschöpfende Druschkulturen wie Körnermais und Sojabohnen finden einerseits ihre Abnehmer in der regionalen Biomischfutterproduktion oder überregional bei den bekannten Tofuverarbeitern. Die vielseitigen Potentiale der Biolandwirtschaft in Bayern lassen insgesamt eine prosperierende Weiterentwicklung erwarten.

Gustav Alvermann, bio2030, Westerau

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