Online MitmachTagung: Wem bieten Bio-Schweine Chancen?

Online MitmachTagung: Wem bieten Bio-Schweine Chancen?

25. Februar 2022TagungenConrad Thimm, Gustav Alvermann, Rudolf Joost-Meyer zu Bakum, Christian Wucherpfennig

Online MitmachTagung: Wem bieten Bio-Schweine Chancen?

25. Februar 2022, 09:00–15:30 Uhr

– Tagungsmappe –

Schweine in einem Biostall auf Stroh
Titelbild: Schweine im Stall

Inhaltsverzeichnis

  • Tagungsprogramm vormittags (S. 3)
  • Tagungsprogramm nachmittags (S. 4)
  • Sponsorenüberblick (S. 5)
  • Eine aktuelle Markteinschätzung von Rudolf Joost-Meyer zu Bakum (S. 6)
  • Nachfrage steigt – Lieferkette schwächelt von Conrad Thimm, bio2030.de (S. 8)
  • Umstellung auf Bio-Schweine: der Markt lässt es – für Einzelne – zu von Christian Wucherpfennig, LWK NRW (S. 11)
  • Teilnehmerliste (S. 19)
  • Über bio2030.de (S. 21)

Programm Vormittag

Moderation: Conrad Thimm, bio2030.de

Vormittagsprogramm

9:00 Uhr

Check-In

9:15 Uhr

Begrüßung mit Warm-Up

9:30 Uhr

Blitzlichter aus der Praxis: Wem bieten Bio-Schweine Chancen?

1. Umbau der Sauenhaltung

Wilhelm Schulte-Remmert, Lippstadt; 180 Sauen. Moderation: Martin Kötter-Jürss, Bioland-Beratung

2. Umbau eines Schweinemaststalls

Dag Brodersen, Reußenköge; 1200 Mastplätze. Moderation: Gustav Alvermann, bio2030.de

3. Geschlossenes System

Johannes Sassen-Stolle, Dötlingen; 180 Sauen, 400 Mastplätze / Georg Schulze-Nahrup, Telgte-Westbevern; 100 Sauen, 500 Mastplätze. Moderation: Andreas Jessen, Naturland-Beratung

4. Schrittweise zu Bio-Schweinen

Niko Brand, GF Brand Qualitätsfleisch. Moderation: Harm Bockmann

5. Ökonomie Bio-Schweine

Christian Wucherpfennig, Landwirtschaftskammer NRW

6. Bio-Fütterung, Rohstoffe, Lieferketten

Achim Tijkorte, Reudink B.V. Bio-Futter

7. Bio-Fütterung, Rohstoffe, Lieferketten

Ernst-Friedemann von Münchhausen und Maren Maitra, Gut Rosenkrantz Bio-Futter GmbH & Co. KG

10:10 Uhr

Arbeit in parallelen virtuellen Arbeitsräumen

11:10 Uhr

Präsentation der Arbeitskreisergebnisse im Plenum und Diskussion

12:00 Uhr

Mittagspause mit Gelegenheit zum virtuellen Austausch

Sponsoren

Bio
BIOPARK Logo
demeter Logo
Deutscher Bauernverband
GÄA e.V.
Naturland

Medienpartner

Bauern Zeitung
bioland Fachmagazin Logo
DLG Zukunft Landwirtschaft
NATURLAND Nachrichten Logo
top agrar Logo

Programm Nachmittag

Moderation: Jürgen Hansen, JH-Vermarktung, Kiel

Nachmittagsprogramm

13:00 Uhr

Blitzlichter von Firmen der Bio-Fleisch-Lieferketten

1. Schröder’s Biofleisch- und Wurstwaren

Ralf Stützer

2. Marktgesellschaft der Naturland Bauern AG

Tomas Sonntag

3. Der Grüne Weg / Vion

Allard Bakker & Dr. Stephan Kruse

4. Friland Deutschland GmbH

Marian Mohrmann

5. Tönnies Unternehmensgruppe

Thomas Dosch

6. Biofleisch NRW e.G.

Christoph Dahlmann

7. Naturverbund Niederrhein/Müritz

Bruno Jobkes

8. REWE Group

Marcus Wewer

9. TransGourmet

Volker Lathwesen

13:40 Uhr

Arbeit in parallelen virtuellen Arbeitsräumen

14:30 Uhr

Präsentation und Diskussion der Arbeitskreisergebnisse im Plenum

15:30 Uhr

Schlusswort und Ende der Veranstaltung

Nachmittags-Sponsoren

Schröder’s Biofleisch
Marktgesellschaft der Naturland Bauern AG Logo
Friland
Der Grüne Weg / Vion
Tönnies
Biofleisch NRW
Naturverbund
REWE Group

Wir danken unseren Sponsoren

Sponsoren der Tagung

Gut Rosenkrantz Logo
bio2030.de Logo
Tönnies
Friland
Marktgesellschaft der Naturland Bauern AG Logo
Schröder’s Biofleisch
Naturverbund
Der Grüne Weg / Vion
Biofleisch NRW
REWE Group
TransGourmet

Eine aktuelle Markteinschätzung von Rudolf Joost-Meyer zu Bakum

Rudolf Joost-Meyer zu Bakum

Geschäftsführer Meyerhof zu Bakum GmbH, Vorsitzender GÖTE e.V.

Mit freundlicher Genehmigung von Rudolf Joost-Meyer zu Bakum, GF Meyerhof zu Bakum GmbH und Vorsitzender Gesellschaft für Ökologische Tierernährung – GÖTE e.V.

Melle, 27.12.2021

Liebe Bioland- und Naturland-Kollegen,

es ist schon 14 Jahre her, dass Bio-Tierhalter mit derart unsicheren Gefühlen in den Jahreswechsel gegangen sind. 2007/2008 waren es eine Mißernte, eine überbordende Nachfrage und explodierende Futter-Preise kurz vor der Finanzkrise im Jahre 2008, dem Jahr der Ernüchterung bzgl. Preisen und auch Nachfrage.

Und, Geflügel 2022? Die Kombi aus 100%-Biofütterung und Bruderhähnen war schon nicht witzig. Nun kommen noch Rohwarenmängel, gestörte Lieferketten und explodierende Futterpreise hinzu, flankiert von einem tendenziellen Überangebot an Bio-Eiern. Vielleicht hilft ein kommender Lockdown der Eier-Nachfrage auf die Sprünge, aber das ist doch eher eine sarkastische „Hoffnung“. Weder die Packstellen noch ein grüner Agrarminister werden das kurzfristig richten. Spätestens nach Ostern wird die Zahl der Bio-Legehennen sinken, wer mag schon bei unsicherem Absatz Junghennen mit Bruderhahn für 18-20 €/Stück bestellen, da wird erstmal geschoben, gemausert, Neubauten verschoben oder … Die Kehrseite des Corona-Nachfrage-Booms hat uns erreicht, wie 2008. Aber auch 2008 hat das Ganze nur ein paar Monate gedauert, denn tendenziell bleibt der BioMarkt ein Wachstumsmarkt, da mag ein grüner Agrarminister vielleicht schon helfen.

Schweine 2022? Schweinehalter kämpfen zwar auch mit Kostensteigerungen, werden dabei aber gestützt von einem knappen Markt. Die parallele Krise der konventionellen Schweinehaltung treibt einige, wahrscheinlich zu viele, Richtung Bio-Schweine. Es gilt also, sich jetzt Preise und Absatzkanäle zu sichern, denn ein Überangebot steht bereits deutlich am Horizont. Auch eine deutliche Abgrenzung zur EU-Bio-Schweinehaltung ist ein Gebot der Stunde. Da aus dem Handel (Aldi…) vermehrt die Forderung kommt nach einer Fütterung zu 100% auf deutscher Basis (derzeit erst bei Milch), wäre das ein prüffähiger Ansatz. Deutsches Soja und andere Ölkuchen dürften zumindest bilanziell für die Bio-Schweinehaltung der Verbände ausreichen. Damit könnte man sich profilieren.

Rinder 2022? Ölkuchen und Körnerleguminosen werden derartig teuer, dass längst nicht jedes Gramm an Kraftfutter-Protein sich in Form von Milchgeld wieder auszahlt. Auf Dauer benötigt es auf den Rindviehbetrieben im Grundfutter im Mittel 12% Rohprotein, dann kann man flexibel auf Kraftfutterpreise reagieren – und das wird nötig sein.

Ackerbau 2022? Futtergetreide (Mais, Weizen, Triticale) bleibt auch in der kommenden Saison knapp. Spät verkaufter Futterweizen wird wahrscheinlich mehr erlösen als früh verkaufter Backweizen, so wie in dieser Saison. Leguminosen werden ihren Preis über 500 €/to finden.

Dänemark und Schweden haben in Brüssel weiterhin konventionelle Komponenten im Futter für Monogastrier beantragt, Begründung: es fehlt das „Bio“-China-Soja, welches sie bisher nicht nur für Monogastrier sondern auch fürs Milchvieh genutzt hatten. Nach Aussagen von Steffen Reese (Naturland) und Jan Plagge (Bioland) vom September würden die Bioverbände eine solche Verlängerung nicht mitgehen, wenn Brüssel sie denn genehmigen würde. Wir können diesen politischen Spielchen einzelner, trickreicher EU-Länder gelassen entgegensehen, denn wir sind mittlerweile zu 95% mit allen nötigen Komponenten bis zur neuen Ernte eingedeckt, die letzten 5% werden sich auch noch finden. Das gilt allerdings nicht für jedes Bio-Futterwerk in Deutschland.

Seit Ende Januar entspannt sich der Markt für Bio-Protein, allerdings auf teurem Niveau. Gründe sind 3 einlaufende Schiffe mit China-Soja von je 10.000 t, je ein Schiff pro Monat. Die Nachfrage nach europäischem Soja für EU-Bio-Futter sinkt deshalb.

In diesem Sinne wünschen wir allen Kunden und Lieferanten viel Mut fürs kommende Jahr,
Euer Team vom Meyerhof.

Meyerhof zu Bakum GmbH
Bio-Futtermittel ohne Kompromisse
Bakumer Straße 80, 49324 Melle

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Nachfrage steigt – Lieferkette schwächelt

Von Conrad Thimm, bio2030.de. Quelle: DLG-Mitteilungen 11/2021

Während der allgemeine Schweinemarkt in Deutschland in einer tiefen Krise steckt, erlebt der Bio-Fleischmarkt einen Aufschwung – allerdings von sehr niedrigem Niveau kommend. An welcher Stelle in der Verarbeitungskette es hapert und was die Entwicklungen im konventionellen Bereich damit zu tun haben, erläutert Conrad Thimm.

Muttersau mit zwei Ferkeln auf grüner Weide bei blauem Himmel
Sau mit Ferkeln auf der Weide

Bio-Fleisch ist ein Nischenprodukt. Bio-Schweinefleisch hat rund 1 % Marktanteil, bei Bio-Rindfleisch sind es ungefähr 3 % vom Gesamtmarkt. Der Bio-Fleischabsatz wuchs von Januar bis Juli 2021 um 26 % gegenüber dem gleichen Zeitraum 2020. Das Angebot hält mit diesen Wachstumsraten nicht Schritt, und große Handelsketten, Discounter wie Vollsortimenter, und Schlachtunternehmen wie Tönnies und Vion überbieten sich auf der Suche nach Bio-Schlachttieren.

Langjährige Vertragsangebote für Bio-Schweine für 4,20 €/kg Schlachtgewicht (SG) sind keine Seltenheit. Auch Bio-Rinder sind stark nachgefragt, besonders Verbandsware. Bio-Schlachtkühe notierten im August ebenfalls bei über 4,20 €/kg SG.

Auch der Absatz von Bio-Fleisch- und Wurstwaren ist von Januar bis Juli 2021 um 16 % gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum gestiegen. Begrenzender Faktor ist die Verfügbarkeit von Bio-Schlachttieren. Das liegt sowohl an mangelnder landwirtschaftlicher Erzeugung als auch am Mangel an geeigneten Schlacht- und Zerlegebetrieben – ein klassisches Huhn- und Ei-Dilemma.

Bio-zertifizierte Schlacht- und Zerlegeunternehmen nach Bundesland

BundeslandBio-Rind SchlachtungBio-Rind ZerlegungBio-Schwein SchlachtungBio-Schwein ZerlegungSumme
Bayern12610535
Baden-Württemberg464614
Nordrhein-Westfalen695624
Schleswig-Holstein654421
Niedersachsen336521
Rheinland-Pfalz323210
Hessen20204
Mecklenburg-Vorpommern11013
Sachsen10113
Brandenburg00112
Sachsen-Anhalt10001
Thüringen00000
Saarland00000
Berlin/Bremen/Hamburg00000

Die Strukturen der Bio-Lieferketten sind weit entfernt vom regionalen Ideal, dem Bio-eigenen Ziel und Anspruch. Große Löcher in den Lieferketten gibt es insbesondere im Osten und der Mitte Deutschlands. Bio-Fleisch-Experte Jürgen Hansen hat einen Bio-Fleischhandel aufgebaut und schließlich an Friland, eine Tochter von Danish Crown, verkauft.

Die Studie „Die deutliche Steigerung der ökologisch bewirtschafteten Flächen in Deutschland, gepaart mit der steigenden Nachfrage nach Bio-Fleisch und dem gesellschaftlichen Wunsch, die Art der Nutztierhaltung nachhaltig zu verbessern, erfordert voraussichtlich eine Verdreifachung der Bio-Fleischproduktion.“ Aber schon jetzt sind die Transportentfernungen für Schlachttiere oft kaum zu vertreten. Durch die anhaltende Konzentration in der Fleischindustrie wird es sogar immer schwieriger, für den Bio-Bereich geeignete Schlacht- und Verlegestätten zu finden. Demnach wurden 2018 „über 86 % der (konventionellen) Schweine bei den acht größten Schlachtunternehmen geschlachtet.“

Aufgehängte Schlachtkörper in einer Schlachterei
Schlachtkörper im Kühlhaus

Umstellung auf Bio-Schweine: der Markt lässt es – für Einzelne – zu

Von Christian Wucherpfennig, Landwirtschaftskammer NRW

Ferkelerzeuger und Mäster, die Bioschweine halten, erfreuen sich zurzeit nicht nur stabiler, sondern sogar steigender Preise. Ein wachsendes Bedürfnis der Bevölkerung nach Fleisch aus artgerechter Tierhaltung hat die Nachfrage nach Bio-Schweinefleisch deutlich erhöht. Wie eine Umstellung gelingen kann, zeigt der folgende Beitrag.

Bevor mit der Umstellungsplanung begonnen wird, muss zunächst der Absatz geklärt werden, damit es trotz der momentan bestehenden Nachfragesituation nicht ungewollt zu einem Überangebot kommt. Ferkelerzeuger müssen vor der Umstellung klären, ob sie passende Mäster finden und Mäster müssen mit Marktpartnern möglichst Absichtserklärungen oder Lieferverträge aushandeln, in der die Zeit der ersten Lieferung und der Umfang der Erzeugung festgelegt sind. Da Bio-Ferkel noch knapper als Bio-Mastschweine sind, müssen umstellungsinteressierte Mäster auch deren Bezug gesichert haben. Aufgrund der momentan bestehenden Knappheit ist auch ein erforderlicher Futterzukauf frühzeitig zu klären.

Bei Liefervereinbarungen sollten Aussagen zur Preisfindung getroffen sein. Bei Mastschweinen können die Preismeldungen der AMI Orientierung geben. Möglich ist auch eine Berücksichtigung von Änderungen auf der Kostenseite, wenn beispielsweise die Futterkosten ansteigen. Im vergangenen Jahr haben Kalkulationen seitens neutraler Beratungsinstitutionen zu einer deutlichen Preissteigerung für Bio-Schweine beigetragen, um eine vollkostendeckende Erzeugung zu gewährleisten.

Ferkelerzeuger und Mäster verstehen sich bei der ökologischen Erzeugung jeweils als Teil einer Wertschöpfungskette. Daher besteht in vielen Lieferbeziehungen eine enge Kopplung des Preises für die Bio-Ferkel an den Preis für Bio-Mastschweine. Erlösschwankungen werden somit in beide Richtungen rasch weitergegeben und sorgen für eine faire Verteilung von Preiserhöhungen wie auch von Preissenkungen.

In den vergangenen Monaten sind die Preise für Bio-Schweine deutlich angestiegen. Die knappe Versorgung mit Bio-Schweinen führte dazu, dass einzelne Bündler und Handelsketten versuchen, sich über die Preise die Versorgung mit Rohware zu sichern. Einzelne Verarbeiter scheinen den steigenden Preisen nicht folgen zu wollen oder zu können, so dass sich die Spannbreite der Auszahlungspreise etwas erhöht hat. Gleichzeitig ist damit auch ein größerer Preisabstand verbunden zwischen Bio-Schweinen, die rein nach EU-Bio-Verordnung bzw. nach den Richtlinien der Verbände, wie Bioland oder Naturland, erzeugt werden. Für EU-Bio-Schweine werden gegenwärtig etwa 4,00 € und für Schweine nach Verbandsrichtlinien 4,00 € bis 4,25 € pro kg SG erzielt. Ein 25-kg-Ferkel kostet rund 160 €.

Eine Umstellung des Betriebes ohne Klärung der Vermarktung ist nicht nur für den Betrieb selbst, sondern auch für die gesamte Branche fatal, denn aufgrund des kleinen Bio-Schweinemarktes – etwa ein Prozent aller in Deutschland erzeugten Schweine werden ökologisch gehalten – wirken sich Ungleichgewichte für alle schnell negativ aus.

Die Umstellungsplanung für einen Betrieb beginnt mit der Aufnahme der Ist-Situation, um zu klären, in welchen Bereichen der Betrieb den höchsten Anpassungsbedarf hat. Den größten Änderungs- und damit Investitionsbedarf gibt es bei der Haltung. Ökologisch gehaltene Schweine benötigen über alle Nutzungsformen hinweg deutlich mehr Stallplatz (s. Tabelle 1). Außerdem ist die Erzeugung über eigenen Futterbau und den Verbleib des Dungs enger an die Betriebsfläche gekoppelt. Dies hat meistens eine deutliche Reduzierung der Tierbestände zur Folge.

Tabelle 1: Mindeststall- und Auslaufflächen für Schweine nach EU-Bio-VO

KategorieLebendgewichtStallinnenfläche (m²/Tier)Auslauffläche (m²/Tier)
Säugende Sauen mit Ferkeln bis zum Absetzen7,52,5
Zuchtschweine weiblich2,51,9
Zuchtschweine männlich6,08,0
Ferkelaufzuchtbis 35 kg0,60,4
Mastschweinebis 50 kg0,80,6
Mastschweinebis 85 kg1,10,8
Mastschweinebis 110 kg1,31,0
Mastschweineüber 110 kg1,51,2

Das Interesse an einer Umstellung kann auch Anlass sein darüber nachzudenken, den Betrieb anders auszurichten und neue Betriebszweige, wie beispielsweise die Legehennenhaltung, aufzunehmen. In den meisten Fällen besteht aber seitens der Betriebsleiter/innen das Bedürfnis, die bisherigen Schwerpunkte auch bei ökologischer Bewirtschaftung beizubehalten.

Ausläufe zwingend erforderlich

Grundlage für die Planung von Stallungen für Bio-Schweine sind die Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse und die EU-Bio-Verordnung. In diesem Jahr ist eine neue EU-Bio-Verordnung in Kraft getreten, die auch für Bio-Schweine einige Veränderungen mit sich bringt. In Bezug auf die Haltung (Flächenvorgaben pro Tier) entsprechen die Richtlinien der Anbauverbände der EU-Bio-Verordnung.

Wichtigste Voraussetzung für die Eignung vorhandener Gebäude ist die Möglichkeit Ausläufe einzurichten, denn alle Schweine, egal ob Sauen, Ferkel oder Mastschweine, benötigen ihn zwingend. Ferkelführenden Sauen sind mindestens 7,5 m² im Stall zur Verfügung zu stellen und die Säugezeit beträgt mindestens 40 Tage. Man benötigt demzufolge mehr und größere Abferkelbuchten als zuvor, die wiederum alle über einen Auslauf verfügen müssen, dessen Größe mindestens 2,5 m² betragen muss, aber aus Gründen der Nutzbarkeit i.d.R. eine Größe von etwa 5 m² aufweist.

Dies setzt der vollständigen Nutzung großer Gebäude Grenzen, denn selbst, wenn auf beiden Seiten Abferkelbuchten eingerichtet werden, lassen sich nur etwa acht Meter breite Stallungen vollständig nutzen. Eine verbesserte Raumausnutzung erreicht man, indem man nach 14 Tagen Einzelhaltung die Sauen ins Gruppensäugen mit drei bis fünf Tieren umstallt. In der Praxis beobachtet man dabei jedoch häufig Fremdsaugen und eine unterschiedliche Entwicklung der Ferkel.

Bei der ökologischen Ferkelaufzucht ist nach EU-Bio-Verordnung ein sehr großes Platzangebot vorzuhalten. Die Tiere benötigen 0,6 m² Stallinnen- und 0,4 m² Auslauffläche. Im Stall sollten zusätzlich beheizbare Kleinklimabereiche geschaffen werden, um das Wärmebedürfnis der Ferkel zu befriedigen. Kleine Gruppen mit ca. 20-25 Ferkeln tragen dazu bei, dass sie den Innenbereich besser sauber halten.

Schweine im Biostall auf Stroheinstreu
Mit zusätzlichen Kleinklimabereichen kann dem Wärmebedürfnis von Aufzuchtferkeln entsprochen werden.

Auch in der ökologischen Mast benötigen die Schweine mehr Stallfläche und einen Auslauf. Durch eine Anpassung der Gruppengrößen bis hin zu Großgruppen ist es aber häufig leichter, an bestehenden Gebäuden Ausläufe anzubauen. Bei Neubauten wird meistens eine Gruppengröße von 15 bis 30 Tieren gewählt.

Sowohl im Stall als auch im Auslauf dürfen über alle Tiergruppen hinweg maximal 50 Prozent der Fläche perforiert sein. Bei Neubauten wird der Innenbereich in aller Regel planbefestigt ausgeführt. Im Innenbereich muss jedem Schwein ein eingestreuter Liegebereich zur Verfügung stehen.

Bio-Schweine sind Langschwanzschweine. Damit es nicht zu Schwanzbeißen kommt, ist für eine ausreichende Beschäftigung der Tiere zu sorgen. Reichlich Einstreu, Wühlmaterial und Raufutter sorgen für Ablenkung.

Die Eigenschaft des Schweins, seinen Lebensraum in die Bereiche Schlafen, Fressen und Toilette zu gliedern, macht man sich bei der Stallplanung zunutze. Idealerweise koten und harnen die Schweine nur im Auslauf.

Bei der Umnutzung vorhandener konventioneller Schweineställe zu Bio-Schweineställen ist zu beachten, dass sich durch den geringeren Tierbesatz und die Einrichtung von Ausläufen weniger Tiere im Stall aufhalten und damit auch weniger Tiere zur Erwärmung des Luftraumes beitragen können.

Schweine im überdachten Auslauf
Bei Neubauten muss heute mit 1.500 EUR je Mastplatz gerechnet werden.

Bei Neubauten „auf der grünen Wiese“ ist mit Baukosten von etwa 12.000 € je Sauen- und mehr als 1.500 € je Mastplatz zu kalkulieren. Die hohen Kosten entstehen vor allem durch die gegenüber konventioneller Haltung mehr als doppelt so hohen Platzansprüche. Während Güllelager häufig vorhanden sind, müssen Mistplatte und Strohlager meistens neu geschaffen werden.

Offenstall mit Liegehütten für tragende Sauen
Für tragende Sauen werden Stallungen gerne in aufgelöster Bauweise mit gedämmten Liegehütten errichtet.

Öko-Schweineställe entsprechen in aller Regel den Vorgaben der artgerechten Tierhaltung zur Inanspruchnahme von Mitteln aus dem Agrarinvestitionsförderungsprogramm (AFP), so dass mit diesen Geldern bei Erfüllung der übrigen Voraussetzungen (ausreichende Eigenkapitalbildung etc.) geplant werden kann.

An Sojakuchen führt kein Weg vorbei

Die Fütterung von Bio-Schweinen erfolgt auf Basis von Getreide und Körnerleguminosen, wobei so aber nur der Protein- bzw. Aminosäurenbedarf von Endmastschweinen und tragenden Sauen gedeckt werden kann. Zur Deckung eines höheren Bedarfs spielen Ölkuchen eine zentrale Rolle, vor allem Soja-, Raps- und Sonnenblumenkuchen und bei der Ferkelaufzucht darüber hinaus noch Milchpulver. Konventionelles Kartoffeleiweiß darf seit diesem Jahr nur noch bei Schweinen bis 35 kg eingesetzt werden.

Aus physiologischer Sicht ist eine hundertprozentige Biofütterung von Schweinen möglich. Die ökologischen Eiweißträger weisen jedoch einen geringeren Anteil wertvoller Aminosäuren auf und synthetische Aminosäuren sind nicht zulässig. Entsprechend bedarf es mehr Rohprotein in der Ration im Vergleich zu konventioneller Fütterung. Bio-Futter ist momentan sehr knapp und die Preise sind für die meisten Komponenten deutlich gestiegen. Zur Abpufferung von Preisschwankungen ist daher eine möglichst große eigene Futtergrundlage hilfreich.

Mit oder ohne Verband?

Während einer Umstellungsplanung stellt sich immer auch die Frage nach dem Sinn und Zweck einer Verbandsmitgliedschaft. Mit einer Verbandsmitgliedschaft stehen wesentlich mehr Vermarktungswege offen. Gegenwärtig erzielen nach Verbandsrichtlinien erzeugte Schweine höhere Preise und in Zeiten von Überschüssen zeigten sie sich auch preisstabiler.

Die Vorschriften der Anbauverbände gehen jedoch in einigen Bereichen über die Regelungen der EU-Bio-VO hinaus. Bei den meisten Verbänden dürfen beispielsweise nur maximal 10 Mastschweine je ha gehalten werden. Nach Verbandsrichtlinien erzeugtes Futter ist etwas teurer und der Anteil der eigenen Futtererzeugung muss mindestens 50 Prozent betragen (EU-Bio: 30%).

Mit einer Futter-Mist-Kooperation können Betriebe auch nur ihre Tierhaltung umstellen und die Flächen weiterhin konventionell bewirtschaften. Diese Teilbetriebsumstellung wird von den Verbänden jedoch nicht akzeptiert und durch die fehlende eigene Futtergrundlage wäre man auch Preisschwankungen am Futtermarkt schutzlos ausgesetzt.

Impfungen erlaubt

Auch ökologisch gehaltene Tiere können krank werden. In Regionen mit hoher Schweinedichte sind daher auch die üblichen Impfungen von Sauen und Ferkeln unerlässlich. Da Mastschweine weniger als ein Jahr alt werden, dürfen sie nur ökologisch vermarktet werden, wenn sie höchstens einmal mit Antibiotika behandelt wurden. Ist eine zweite Behandlung nötig, müssen die Tiere entweder die sechsmonatige Umstellungszeit durchlaufen oder konventionell vermarktet werden. Sauen dürfen dreimal im Jahr allopathisch behandelt werden. Bei der Verabreichung allopathischer Medikamente ist die doppelte Wartezeit einzuhalten. Parasitenbehandlungen sind möglich.

Öko schützt vor Leistung nicht

Auch in der ökologischen Schweinehaltung bilden gute biologische Leistungsdaten die Grundlage für eine wirtschaftliche Erzeugung. Allein schon durch die längere Säugezeit sind die Ergebnisse mit konventioneller Produktion jedoch nur bedingt vergleichbar. Große Würfe bereiten dabei insbesondere durch das praktizierte freie Abferkeln der Sau Probleme. Durch eine Optimierung der Buchtengestaltung und andere Managementmaßnahmen erreichen auch immer mehr Bio-Ferkel-Erzeuger gute Leistungen.

Hohe Tageszunahmen von über 800 Gramm sind in der Mast auch bei ökologischer Erzeugung möglich. Da die ökologische Haltung den Tieren mehr Bewegung ermöglicht und sie auch stärker Klimareizen (Kälte) ausgesetzt sind, ist die Futterverwertung etwas schlechter.

Hohe Preise notwendig

Nur mit guten Leistungen können Bio-Schweinehalter auch Geld verdienen (Tabelle 2 und 3). Ferkelerzeuger müssen mindestens 20, besser 22 Ferkel aufziehen und auch in der Mast sind Tageszunahmen zwischen 750 und 800 Gramm bei einer guten Futterverwertung erforderlich, um erfolgreich wirtschaften zu können.

Tabelle 2: Kalkulation der ökologischen Ferkelerzeugung

PositionMenge/DetailsPreisBetrag (EUR)
Marktleistung Ferkel20,0 Ferkel170 EUR/Ferkel3.400
Marktleistung Altsauen0,35 Altsauen400 EUR/Sau140
Summe Marktleistung3.540
Kraftfutter Sauen15 dt55 EUR/dt825
Kraftfutter Ferkel8,4 dt72 EUR/dt605
Tierarzt, Kastration m. Betäubung180
Jungsau (0,45)230
Sonstiges200
Summe Direktkosten2.040
Direktkostenfreie Leistung1.500
Arbeit, Lohnansatz30 h/Sau25,00 EUR/Akh750
Sonstige Arbeitserledigungskosten120
Gebäudekosten (Neubau 12.000 EUR, AFP)522
Sonstige Festkosten75
Summe Kosten3.507
Unternehmergewinn33
Arbeitsentlohnung26

Tabelle 3: Kalkulation der ökologischen Schweinemast

PositionMenge/DetailsPreisBetrag (EUR)
Marktleistung96 kg SG (122 kg LG)4,27 EUR/kg SG410
Ferkelzukauf28 kg Ferkel170
Futterzukauf (FV 1:3,2)94 kg Zuwachs55 EUR/dt166
Verlustausgleich5
Tierarzt1
Transport7
Sonstige Kosten5
Summe Direktkosten354
Direktkostenfreie Leistung56
Arbeit, Lohnansatz0,8 h/MS25,00 EUR/Akh20
Sonstige Arbeitserledigungskosten6
Gebäudekosten24
Sonstige Festkosten6
Summe Kosten410
Unternehmergewinn0
Arbeitsentlohnung25

Fazit

Die Umstellung auf Ökologische Landwirtschaft und damit auch auf ökologische Schweinehaltung ist eine strategische Entscheidung. Gegenwärtig werden neue Betriebe gesucht, wenngleich man sich bewusst sein muss, dass es sich bei ökologischer Schweinehaltung immer noch um eine Nische handelt.

Die aktuellen Marktpreise sind notwendig, um rentabel Bio-Schweine halten zu können. Betriebe, die neu bauen wollen und zumindest während der Umstellungszeit stark auf Futterzukauf angewiesen sind, haben es aber aufgrund der stark gestiegenen Bau- und Futterkosten derzeit schwer, die Wirtschaftlichkeit darzustellen.

Im Vergleich zu ihren konventionellen Kollegen können Bio-Schweinehalter dabei den Markt mitgestalten. Viele sind Mitglied in einer Erzeugergemeinschaft oder bringen sich bei ihren Abnehmern in Erzeugerbeiräten o.ä. aktiv ein. Um aber auf Augenhöhe miteinander verhandeln zu können, gründeten die Landwirte im Jahr 2008 mit dem Aktionsbündnis Bioschweinehalter Deutschland (ABD) einen überverbandlichen Zusammenschluss, der auch EU-Bio-Betrieben offensteht.

Ohne eine gesicherte Vermarktung ist eine Umstellung weiterhin ausgeschlossen, denn niedrigere Preise gefährden rasch die Wirtschaftlichkeit der Erzeugung.

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Teilnehmerliste

Folgende Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben der Veröffentlichung ihrer Kontaktdaten zugestimmt.

Teilnehmerliste

VornameNachnameOrganisation
MichaelAdrianSchröder’s Bio Fleisch- und Wurstwaren
JörnAhlersGeestferkel GmbH
RalfAlsfeldNaturland – Verband für ökologischen Landbau e.V. (Naturland Nachrichten)
GustavAlvermannbio2030.de
AllardBakkerDer Grüne Weg
TobiasBantinGesing Tierzucht
LudgerBeestenReudink B.V. Bio-Futter
HarmBöckmannBrand Qualitätsfleisch GmbH & Co.KG
MoritzBorMarktgesellschaft der Naturland Bauern AG
BrigittaBoysenFriland Deutschland GmbH
NikoBrandBrand Qualitätsfleisch GmbH & Co.KG
EricBrenneke
Carl-PhilippBrinkmeyerElshof-Melle
DagBrodersen
RalfBussemasThünen-Institut
ChristophDahlmannBiofleisch NRW e.G.
ChristaDiekmann-LenartzRedaktion "LAND & FORST"
ThomasDoschTönnies Unternehmensgruppe
NilsDreyerVermarktungsgesellschaft Bioland SH mbH und Co. KG
StephanEntrupWestfleisch SCE mbH
FerdinandFleischmannFleischmann Wolters Gbr
CarmenFögelingLandwirtschaftskammer Niedersachsen
SebastianFosshagTransgourmet Deutschland GmbH & Co. OHG
BrainFrankTransgourmet Deutschland GmbH & Co. OHG
Ernst-FriedemannFreiherr von MünchhausenGut Rosenkrantz Bio-Futter GmbH & Co.
BirteFriedrichsenFriland Deutschland GmbH
Dr. AnnettGefrommBauernzeitung
JürgenHansenJH-Vermarktung GmbH
WilhelmHeilmannNaturland Zeichen GmbH
ElmarHeimann
JanHemplerLandwirtschaftskammer Niedersachsen
ChristophHenselerTOPIGS-SNW GmbH
JensHertlingLebensmittel Praxis / LP.economy
ClausHeuerKWS LOCHOW GMBH
ThiloHildebrandtTransgourmet Deutschland GmbH & Co. OHG
JuliaHoffmann
Dr. JochimHoppDeutsche Vilomix Tierernährung GmbH
Dr. SimonJansenGS agri eG
WilhelmJennissenStaatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft
AndreasJessenNaturland-Beratung
BrunoJöbkesNaturverbund Niederrhein/Müritz
RaphaelKerler
FrankKochhanVereinigte Tierversicherung Ges.a.G.
MartinKötter-JürßBioland-Beratung
AlexanderKottmayrWell Done GmbH
BenjaminKrieftBörner-Eisenacher GmbH
RolfKrümpel
Dr. StephanKruseVion Food North B.V.
HendrikKuhrmannLimagrain Ingredients
VolkerLathwesenTransgourmet Deutschland GmbH & Co. OHG
MarieLükeNaturland
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Über bio2030.de

bio2030.de ist eine unabhängige Initiative für eigenständiges Denken und die praktische Weiterentwicklung des Biolandbaus durch die Akteure selbst. bio2030.de strebt regionale Dialoge und die Einbeziehung der Lieferketten an. bio2030.de ist eine Arbeitsgemeinschaft von selbständigen Beratern.

Gustav Alvermann

Bio-Ackerbauberater, Bio-Landwirt in Westerau bei Lübeck

Conrad Thimm

Lieferketten-Management regional und international