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Öko-Landbau / Öko-Märkte heute und morgen

Der zweite Teil des Naturland-Berichts zur Mitmach-Tagung in Hannover bündelt Lehren aus norddeutschen Öko-Ackerbau-Betrieben sowie Programmpunkte zu Hacktechnik, Abnehmern, Bio-Zucker, Verbandsmärkten und der weiteren Bio2030-Lernreise.

1. August 2019 Presse-Artikel Gustav Alvermann, Conrad ThimmAckerbau
Öko-Landbau / Öko-Märkte heute und morgen

In den vorigen NN berichteten wir, wie neun Öko-Landwirte in Norddeutschland mit den besonderen Herausforderungen des Öko-Ackerbaus in Norddeutschland umgehen. Nachfolgend haben wir die Lehren aus den Betriebsschilderungen sowie weitere Programmpunkte zusammengefasst: Striegel und Hacktechnik, Marktgesellschaft der Naturland Bauern, Gut Rosenkrantz, die Nordzucker AG und die Diskussion mit den Verbandsvertretern zu Bio im Discounter.

Der Treffler-Striegel Quelle: Bio2030 Mitmach-Tagungen — Quelle: Bio2030 Mitmach-Tagungen

Die Lehren aus den Betriebsschilderungen der neun Öko-Landwirte (NN 03-2019) zusammengefasst

  • Sandböden mit Wasser (Beregnung oder feuchtes Klima) tendieren zu Sommerungen und lukrativen Blattfrüchten jeweils nach Winterzwischenfrucht; und das im Wechsel mit Getreide auf bis zu 100 % Marktfruchtanteil in der Fruchtfolge.
  • Sandböden mit begrenztem Wasserangebot haben einen höheren Getreideanteil. Hier bewährt sich insbesondere das frühe Wintergetreide bei überwiegender Stickstoffaufnahme im produktiven Herbst.
  • Auf Lehmböden (> 15 % Ton) ist ein überjähriges sauber geschnittenes Kleegras obligatorisch. Alle Versuche, mit Disteln technisch über eine gezielte Bodenbearbeitung fertig zu werden, sind hier wenig überzeugend.
  • Je schwerer und nasser ein Standort ist, umso ausgeprägter ist dieser Sachverhalt. Das Gegenmodell zum Sand ist dann eine zweijährige Schnittnutzung des Kleegrases und ein Marktfruchtanteil herunter auf 60 %.
  • Sehr uneinheitlich ist die Verwertung des Futterbau-Aufwuchses. Neben eigenen Tieren geht die Palette über Kooperations-Tiere und Biogas-Anlagen bis zur direkten Verwertung als Dünger („cut-and-carry“) oder über den Weg der Bereitung von Kompost oder Düngesilage.
  • Für ein produktives Wintergetreide ist es bei mangelnder Mineralisierung im Mai (überwiegend in Norddeutschland) sehr hilfreich, wenn zum Stadium 30 (Ende Bestockung, beginnendes Schossen) flüssige organische Dünger zur Verfügung stehen (Gülle, Gärrest, PPL, Vinasse oder Mischungen daraus).

Die pdf-Dateien zu Einleitung, Betriebspräsentationen und die Tagungsmappe mit der Erfolgsmatrix für jeden Betrieb finden Sie unter https://bio2030.de.

Striegel und Hacktechnik

Ein Schlepper mit einer Treffler Hacke im Frontanbau sowie ein Treffler Striegel am Heck und ein Hacktechnik Schauwagen der Firma K.U.L.T. Landtechnik konnten besichtigt werden.

Jan Wittenberg, Öko-Landwirt aus Nordstemmen und Ackerbauberater der Firma Treffler Maschinen, wies in seinem Kurzreferat auf den patentierten gleichbleibenden Zinkendruck der Treffler-Striegel hin, der auch das Striegeln von Unebenheiten und Dammkulturen ermöglicht (siehe auch Präsentations-pdf und Tagungsmappe Seite 8).

Carsten Prüße von K.U.L.T. Kress Landtechnik präsentierte verschiedene Hacksysteme für Front-, Heck- und Zwischenachsanbau, die Sternhacke für die Unkrautregulierung in der Reihe sowie die kameragestützte, digitale Führung im Ackerbau auch unter ungünstigen Bedingungen.

Kunden der Öko-Landwirte

Drei Firmen, die auch schon im Juni 2018 in Neumünster dabei waren, warben um Bio-Lieferanten. Zwei davon, die Marktgesellschaft der Naturland Bauern AG und die Gut Rosenkrantz Handelsgesellschaft sind gut eingeführte, reine Bio-Firmen, die vor allem Konsum- und Futtergetreide handeln und verarbeiten. Anders die Nordzucker AG, die schon seit einigen Jahren Bio-Zucker in kleinen Mengen verarbeitet und in der derzeitigen Zuckerpreiskrise, die ja auch ihre Aktionäre trifft, Bio als kleinen Hoffnungsschimmer pusht. Zwei ihrer Lieferanten, Moritz Reimer aus Hornburg im Vorharz und Hinrich Alvermann aus der Lüneburger Heide, gehören zu den neun Landwirten, die schon am Vormittag präsentiert hatten. Unter den Teilnehmern waren auch zwei Mitarbeiterinnen von Kartoffel Böhmer, die sich auch in die Diskussionen einbrachten.

Öko-Verbände: Verraten sie ihre Grundsätze bei dm, Lidl, Rewe & Co oder gestalten sie die Zukunft der Öko-Märkte?

Conrad Thimm führte in die Diskussion mit drei Folien ein. Die Sinus Milieus zeigen, dass die „sozialökologisch“-überzeugte Zielgruppe nur 7 % der Bevölkerung in Deutschland ausmacht und eine Marktausweitung für Bio-Produkte auf Vielfalt setzen muss. Weiterhin zeigt sich, dass in den Nachbarländern Dänemark, Schweiz, Österreich und Schweden die Bio-Anteile am gesamten Lebensmittelmarkt wesentlich höher sind als in Deutschland (8–10% gegenüber 5% in Deutschland). Gleiches gilt für die Anteile der Supermärkte am jeweiligen gesamten Bio-Umsatz (Dänemark und die Schweiz über 80 %, Schweden und Österreich über 75% gegenüber Deutschland 60%). Schließlich zeigte sich, dass schon 2006 über 40 % des Bio-Gemüses in Deutschland über Discounter vermarktet wurde – heute sind es über 50 %. Zum Vergleich: konventionelles Frisch-Gemüse wurde damals zu über 50 % über Discounter abgesetzt und heute zu über 60 %.

In der Diskussion wurde deutlich, dass eine Einschränkung der Absatzwege nicht zu einer wachsenden Bio-Produktion passt, und dass es wichtig ist, die Umweltwerte des Öko-Landbaus weiterhin authentisch zu vermitteln. Direktvermarkter und Naturkostläden müssen in ihren Sorgen ernst genommen werden. Am wichtigsten erschien aber den meisten, dass sich die Öko-Verbände nicht auseinanderdividieren lassen, damit sie nicht im Markt gegeneinander ausgespielt und Erzeugerpreise gedrückt werden. Doch auch die Bio-Märkte sind nicht gefeit vor den allgemeinen Wirtschaftstrends, die als „vuka“ bezeichnet werden für volatil, unsicher, komplex und ambivalent.

Diskussion und Ausblick

Die Tagung wurde ihrem Motto „Ziel der Mitmach-Tagung ist weniger der Austausch von Argumenten als vielmehr das Eröffnen neuer Horizonte“ gerecht. Das Interesse ist riesig, die Zusammenhänge komplex, die Erfahrungen vielfältig – nur fehlt die Zeit, das alles zu „beackern“. In diesem Sinne wären Fortsetzungen der Lernreise in kleinerem Rahmen auf regionaler Ebene wünschenswert und am besten regelmäßige, regionale Bio-Ackerbau-Ringe unter erfahrener Leitung – und vielleicht in einem Jahr ein Auswertungstreffen.

Unter https://bio2030.de finden Sie alle Präsentationen, die Tagungsmappe, Fotos und Presseartikel als Download. Gustav Alvermann und Conrad Thimm, Bio2030 Mitmach-Tagungen