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Ausgeprägte Vielfalt

Der Beitrag zeigt, wie stark Sachsens Ökolandbau von regionalen Unterschieden geprägt ist: Grünland und Milchvieh in den Mittelgebirgsregionen, Acker- und Gemüsebau in der Lommatzscher Pflege sowie unterschiedliche Vermarktungswege über Direktabsatz, Verarbeiter, Großhandel und regionale Bio-Betriebsnetzwerke.

1. Februar 2023 Presse-Artikel Conrad ThimmRegionale Beschaffenheit
Ausgeprägte Vielfalt
In Städten wie Leipzig rückt angesichts der Marktkrise der direkte Absatz stärker ins Blickfeld. — Foto: stock.adobe.com/Jakob Fischer

Die Bioszene in Sachsen ist nicht auf einen Nenner zu bringen. Auf der Erzeugerseite findet man neben Milchvieh in den Grünlandgebieten auch Industriegemüse im Ackerbaugebiet. Die Vermarktungsseite ist ebenso vielfältig und stark von den Zentren Leipzig und Dresden geprägt, berichtet Conrad Thimm.

Sand im Norden, Löß in der Mitte und Mittelgebirgsverwitterungsböden im Süden: Das ist Sachsen aus dem Blickwinkel der Bodenregionen. Dazu passen die Bioflächenanteile. An der Spitze liegen der Vogtlandkreis mit 21,3 % (2022 sogar 23,5 %), der Erzgebirgskreis mit 11,3 % und der Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mit 10,5 %. Bei hohen Niederschlägen wächst hier das Gras gut, die Pachtpreise halten sich in Grenzen und vor allem Rinderhaltung geht gut in Bio. Mutterkuhhaltung ist auch auf Nebenerwerbsbetrieben weitverbreitet. Diese können auch mal 100 oder 200 ha groß sein. Insgesamt fällt der sächsische Biobetriebsgrößenschnitt mit 100 ha etwas kleiner aus als sonst in den östlichen Bundesländern. Im überwiegend sandigen Norden Sachsens haben die Kreise um die 7 % Bioflächenanteil, ebenso im Landkreis Meißen, zu dem die Lommatzscher Pflege mit den fruchtbarsten Böden Deutschlands gehört. Hier kommen zu Böden mit bis zu 100 Punkten wie im Süden Sachsen-Anhalts auch noch 600 mm Niederschlag, glatt 200 mm mehr als auf gleicher Höhe in der Schwarzerde Sachsen-Anhalts und des Thüringer Beckens. Deutlich geringer sind die Bioflächenanteile in den ackerbaulichen Gunstregionen Mittelsachsen (5,9 %), Görlitz (4,4 %) und Zwickau (2,2 %). Damit kam Sachsen 2020 auf einen Bioflächenanteil von 8,1 % insgesamt. Im Jahr 2021 war der Zuwachs auf insgesamt 9,1 % deutlich höher als anderswo ausgefallen. Das lag am hohen Ackerbauanteil in Bio bei relativ weniger Grünland im Verhältnis von rund 60 : 40, während deutschlandweit Ökoackerbau mit einem Verhältnis von 48 : 52 etwas knapper ist als Biogrünland.

Wenig Grünland aber noch weniger Tiere. Die niedrigeren Grünlandanteile gelten grundsätzlich überall in den östlichen Bundesländern mit Ausnahme mancher Regionen Mecklenburg-Vorpommerns. Sie gehen einher mit deutlich niedrigerem Viehbesatz, der wiederum eine Folge der großflächigen Betriebe mit relativ geringem Kapital und der meist geringen Niederschläge ist. Während die Grünlandanteile in Sachsen in Bio ein wenig höher als im Landesschnitt ausfallen, sind die Viehbesätze in Bio noch geringer. Bio-Sachsen hat nur 36 GVE/100 ha. Allein Rinder machen 32 GVE/100 ha aus, während Sachsen insgesamt auf 42 GVE/100 ha kommt. Es liegt damit im Schnitt Ostdeutschlands. Der Bundesschnitt liegt insgesamt bei 70 GVE/100 ha. Während Sachsen insgesamt 3,9 GVE an Schweinen je 100 ha hat, sind es in Bio nur 0,8 GVE/100 ha. Nur beim Geflügel liegt Bio mit 1,3 GVE/100 ha deutlich vor dem Besatz von 0,5 GVE/100 ha insgesamt.

Umso wichtiger ist die Entwicklung von alternativen Klee- und Luzernegras-Strategien. Auch in Sachsen gelten die Aussagen zu Thüringen im vorigen Heft der DLG-Mitteilungen: Die immer noch weitverbreitete Praxis, Leguminosen nur als Drusch- und Zwischenfrüchte anzubauen, hat mangels Stabilität der Erträge nur eine geringe Laufzeit. Futterleguminosen als Mulch-Gründüngung überzeugen auf guten Böden bei fähiger Betriebsleitung. Futterleguminosen als Düngesilage, Kompost oder cut & carry kosten zwar mehr, bringen aber langfristig eine höhere Produktivität. Eine wirklich stabile Kreislaufwirtschaft wird jedoch nur über die Nutzung der Leguminosen als Wiederkäuerfutter oder als Biogassubstrat erreicht.

Trotz Bioland-Werbung hat Lidl geringfügig günstigere EU-Bioware vorgezogen.

— René Döbelt, Landgut Nemt bei Leipzig. 1 000 ha Acker, 47er Böden, 160 ha Grünland, 730 Milchkühe, 85 ha Kartoffeln, 20 ha Gemüseerbsen, 40 ha Buschbohnen, 55 ha Zwiebeln.
René Döbelt, Landgut Nemt bei Leipzig.
Ökoflächenanteile in Sachsen (2020 in %). Quelle: Stat. Dienste des Bundes und der Länder.

Bildbeschreibung: Die Karte zeigt regionale Ökoflächenanteile in Sachsen für 2020. Besonders hoch ist der Anteil im Vogtlandkreis mit 21,3 %, außerdem im Erzgebirgskreis mit 11,3 % und in der Sächsischen Schweiz-Osterzgebirge mit 10,5 %. Niedrigere Werte sind unter anderem für Zwickau mit 2,2 %, Görlitz mit 4,4 % und Mittelsachsen mit 5,9 % eingetragen; Leipzig, Dresden, Chemnitz sowie die im Artikel genannten Betriebe Nemt, Klappendorf und Triebtal sind markiert.

Marktvielfalt. Auffallend ist, dass über 36 % der Gemüseanbauflächen Sachsens ökologisch bewirtschaftet werden. Dabei spielen die Elbtal Tiefkühlkost-Werke der Frosta AG, die ÖBS Öko Bauernhöfe Sachsen GmbH und seit Neuestem die Bio-Gemüse regional AG wichtige Rollen. Frosta hat 1990 eine traditionelle Gemüseverarbeitung in der Lommatzscher Pflege übernommen und zum zweiten Tiefkühl-Gemüsestandort neben Bobenheim bei Worms (Rheinland-Pfalz) ausgebaut. Die ÖBS wurde 1994 für Ökogetreide, Milch, Fleisch und Gemüse gegründet. Inzwischen vermarkten über sie 100 Biobauern regional und deutschlandweit an Getreide- und Ölmühlen, Futterwerke, Tiefkühlverarbeitung, Gemüseverarbeitung, Kartoffelpackbetriebe und den Großhandel. Unter derselben Adresse wie die ÖBS ist auch die Bio-Gemüse regional AG in Dresden erreichbar. Sie wurde 2021 als Full-Service-Abnehmer für Kartoffeln und Gemüse für Frischmarkt und Verarbeitung gegründet. Sie garantiert ihren Mitgliedern die Abnahme im Vertragsanbau inklusive einer Kreditversicherung, bietet ihnen die Möglichkeit der finanziellen Förderung und berät im Anbau. Treibende Kräfte sind Vorstand Steffen Mucha und Aufsichtsratsvorsitzender René Döbelt, der auch Vizepräsident der DLG ist.

Der »Vorzeigebetrieb«. René Döbelt bewirtschaftet mit seinem Bruder Karsten das Landgut Nemt seit 1995 biologisch: 47er Böden vor den Toren Leipzigs mit heute fast 1000 ha Acker, 160 ha Grünland, 730 Milchkühen, umfangreicher Direktvermarktung und 60 fest angestellten Mitarbeitern. Fast die Hälfte der Flächen liegt im Trinkwasserschutzgebiet. 2002 wurde die Milch rückumgestellt, weil die Molkerei keinen Biobonus zahlte, 2007 eine eigene Molkerei eröffnet, deren ansehnliche Produktpalette zusammen mit den eigenen Kartoffeln und Gemüse sowie weiteren regionalen Produkten über den Hofladen vermarktet wird. Der Betrieb beliefert 100 Supermärkte im Raum Leipzig mit den eigenen Molkereiprodukten, Kartoffeln und Gemüse sowie die Elbtal Tiefkühlwerke mit Gemüseerbsen (20 ha), Buschbohnen (40 ha) und Möhren (18 ha). Das war noch vor ein paar Jahren deutlich mehr. Leider ist die TK-Nachfrage sehr zurückgegangen, weil Frosta bei Lidl einen großen Bioland-Kontrakt wegen einer winzigen Preisdifferenz an einen EU-Bio-Mitbewerber verloren hat. Außerdem werden für den Frischmarkt 85 ha Kartoffeln, 55 ha Zwiebeln und 8 ha Rote Bete angebaut. 200 ha Luzerne und Kleegras sowie 300 ha Winterweizen, Triticale und Körnermais runden die Produktpalette ab. Seit Oktober 2022 sind auch alle Molkereiprodukte wieder Biozertifiziert. 800 000 kg Milch werden selbst verarbeitet. Der Rest geht an die BMI Bayerische Milchindustrie. Eine Biogasanlage liefert 8 Mio. kWh auf Basis von Gülle, Futter- und Gemüseresten.

Das Vogtland: hohe Bioanteile, viel Grünland, aber eher ungünstig für Ackerfrüchte. — Foto: stock.adobe.com/Lars

Der »Platzhirsch« im Vogtland ... Ganz im Südwesten Sachsens an der Grenze zu Bayern und Thüringen liegt auf 500 m Höhe das Hofgut Eichigt mit 3 500 ha Acker, 1 000 ha Grünland und 1 500 Milchkühen mit Nachzucht. Im traditionell kleinteilig strukturierten Vogtland steuern weit über 600 Verpächter ebenso viele Parzellen in Tälern und Hängen im großen Umkreis bis nach Bayern und Tschechien bei. Der Betrieb wurde (unter großer Aufmerksamkeit innerhalb und außerhalb der Bioszene) 2015 von Dennree gekauft, dem größten Naturkost-Großhändler Deutschlands mit einem Umsatz von über einer Mrd. €. Er hat seinen Sitz bei Hof in Bayern, nur 30 km von Eichigt entfernt. Der Betrieb wurde umgehend auf Bio umgestellt und die Milch der 1 500 Kühe an die thüringische Herzgut-Molkerei geliefert. Als die hofeigene Molkerei 2021 fertiggestellt war und die Verarbeitung der Milch übernahm, ging Herzgut pleite. Die Eichigt Bioland Milch wird nach eigenem Anspruch innerhalb von 24 Stunden nach dem Melken in Denn’s Läden in ganz Deutschland angeboten. Einer der beiden Geschäftsführer des Hofguts ist Thomas Greim, Inhaber und Chef von Dennree. Ihm ist zu verdanken, dass auf dem Hofgut biologisch-dynamische Präparate eingesetzt werden. Man darf vermuten, dass es demnächst Richtung Demeter-Anerkennung geht. Die Kühe werden nicht enthornt, die Kälber »kuhgebunden« aufgezogen, und eine(r) unter den hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist nur für den Naturschutz zuständig.

Ich fürchte, dass die Vermarktung künftig der Produktion hinterherhinkt.

— Steffen Luderer, Milchgut Triebtal, Vogtland. 525 ha Acker, 18 – 28er Böden, 360 ha Grünland, 600 m über NN, 2022 von konv. 600 Milchkühen auf 250 Bio umgestellt.
Steffen Luderer, Milchgut Triebtal, Vogtland.

... und weitere Betriebe. »Normal« ist die Denree-Dimension nicht. Die Agrargenossenschaft Oberes Vogtland zum Beispiel, bestehend aus 30 Mitgliedern, bewirtschaftet mit 14 Mitarbeitenden schon seit dem Jahr 1996 rund 600 ha Acker und 580 ha Grünland und hält 600 Mutterkühe. Diese beweiden, aufgeteilt in zehn Herden, das Grünland an den Hängen. Auf dem Acker stehen Kleegras, Getreide und Senf. Dinkel wird in eigenen Anlagen auch im Lohn für andere Bioland-Betriebe geschält. Ebenfalls im Vogtland ansässig ist das Milchgut Triebtal von Nicole Andermann und Steffen Luderer, das 525 ha Acker mit 18 – 28 Bodenpunkten und 360 ha Grünland bewirtschaftet. »Normalerweise« fallen hier auf 600 m über NN 700 mm Niederschlag pro Jahr. Die beiden haben den Betrieb 2015 von ihrer Familie übernommen, als die konventionellen Milchpreise ihren Tiefpunkt hatten. Sie hätten gerne gleich auf Bio umgestellt, wollten jedoch keine Mitarbeiter kurz vor der Rente entlassen und mussten noch Stalleinrichtung und Melkroboter abbezahlen. Als diese Hindernisse entfallen waren, folgte die Umstellung. Damit sind sie einerseits bei Bio angekommen, als konventionell die Milchpreise fast genauso hoch waren. Andererseits haben die hohen konventionellen Preise die Liquidität in der Umstellungszeit gesichert. Da nur 100 ha Grünland in Stallnähe für die Beweidung geeignet sind, wurde 2022 die Zahl der Milchkühe von 600 auf 250 plus Nachzucht reduziert. Jetzt hat in der umgebauten ehemaligen DDR-Anlage jede Kuh einen eigenen Fressplatz, wie bei Bio gefordert. Die Zahl der Mitarbeiter fiel von 25 auf 16. Nachdem die Herzgut Molkerei in Thüringen als Abnehmer entfiel, boten sich mehrere Molkereien an, die alle die relativ große Milchmenge nur zehn Minuten nahe der Autobahn abholen wollten. Schließlich hat die Bayernland-Käserei in Bayreuth den Zuschlag bekommen.

Wir müssen uns neue Wege einfallen lassen, statt uns auf Erreichtem auszuruhen.

— Josephine Moog, Biohofgut Klappendorf, Lommatzscher Pflege. 400 ha Acker, 20 bis 85 Bodenpunkte, Kartoffeln, Getreide, Raps, Sonnenblumen, Gemüseerbsen, Bohnen, Hofladen.
Josephine Moog, Biohofgut Klappendorf, Lommatzscher Pflege.

»Vielfalt« heißt die Devise. Im Raum Dresden ist der Bioplatzhirsch das Vorwerk Podemus mit 270 ha Acker, 65 ha Grünland, 70 Milchkühen mit Nachzucht, 3 ha Obstanlagen und 20 Mitarbeitenden. Dazu kommen eine Hofschlachterei, eine Hofmolkerei, ein Restaurant, ein Catering-Unternehmen, 14 Biomärkte und 3 Bistros in und um Dresden bis nach Freiberg und Bautzen, die 40 bzw. 60 km entfernt liegen. Mitten in der Lommatzscher Pflege, auf dem Hofgut Klappendorf, hat die Ölmühle Moog ihren Sitz. Sie hat ihren Ursprung in Frankreich auf der Domaine de la Planète und presst unter ihrer Marke Bio-Planète eine Vielfalt an Ölen von Raps, Sonnenblumen, Lein, Senf bis hin zu exotischen Kokos- und Mohnölen. Inhaberin Judith Faller-Moog und ihre Tochter Josephine bewirtschaften mit vier Mitarbeitern und einer Mitarbeiterin außerdem das Hofgut Klappendorf: 400 ha bester Böden mit Luzernegras, Kartoffeln, Weizen, Dinkel, Mais, Raps, Sonnenblumen und Gemüseerbsen und -bohnen für die Elbtal-Werke Frosta sowie einem Hofladen.

Fazit. Die Vielfalt der Böden und der Niederschlagsregionen in Sachsen spiegeln sich in unterschiedlichen Bewirtschaftungskonzepten. Genauso vielfältig sind die Vermarktungskonzepte mit starker Direktvermarktung in den florierenden Metropolregionen Leipzig und Dresden und teilweise auch in ländlichen Regionen. Und schließlich wird auch überregional vermarktet mit den Elbtalwerken, der ÖBS und der Bio Gemüse regional AG.

Kommentar: Herausfordernde Zeiten am Biomarkt

Die Biopioniere Superbiomarkt und Basic sind insolvent. Beide hatten im Corona-Boom kräftig Filialen zugekauft und wurden von der Kaufzurückhaltung im Inflationsjahr 2022 in der sensibelsten Finanzierungsphase kalt erwischt. Andere verkaufen ihren Bioladen (auch im Rahmen des Generationswechsels), vorzugsweise an Dennree. Oder sie schließen einfach, wenn sich kein Interessent findet. Der Strukturwandel istpermanent, im Biohandel wie in der Landwirtschaft. Die Notwendigkeiten, Kosten zu reduzieren und Strukturen zu verschlanken, wurden durch den BioAbsatz-Boom zu Coronazeiten kaschiert. Sie fallen den Akteuren nun in Zeiten knappen Geldes auf die Füße. 

Kein Wunder, dass die Effizienz- und Kostenführer, die Discounter, auch bei Bio zum wichtigsten Vertriebskanal wurden. Sie profitieren von ihrem Billig-Image selbst da, wo sie selbst nicht am günstigsten sind. Man darf gespannt sein, wie Aldi mit seiner seit Langem geplanten Eigenmarke »Zurück zur Natur« im Vertrag mit dem Naturland-Verband agieren wird. Der Vertrag zwischen Bioland und Lidl hat Bioland-Landwirten einerseits einen wichtigen Absatzmarkt mit starker Bioland-Werbung durch Lidl eröffnet. Andererseits gibt es auch Fälle, in denen Lidl trotzdem EU-Bioware wegen sehr geringen Preisunterschieden vorgezogen hat. Das war schon 2021 so, also noch vor der 2022er Inflation. In Zeiten knappen Geldes ist es noch schwieriger, höhere Preise wegen höherer Kosten durchzusetzen. Bio-Futtermüller Rudolf Joost-Meyer zu Bakum hat die aktuellen Kostensteigerungen bei der Bioeierproduktion analysiert. Nur ein knappes Drittel liegt an allgemeinen Kostensteigerungen wie Getreidepreisen, Logistik, Energie. Ein weiteres knappes Drittel trägt ein Proteinmangel im Zusammenhang mit dem Übergang zu 100% Biofütterung und dem Corona-Bio-Boom bei. Und für 40% ist die Bruderhahn-Aufzucht verantwortlich, die von den Eiern quersubventioniert werden muss. Da sich höhere Preise dafür oft nicht durchsetzen lassen, stehen inzwischen einige Biohühnerställe leer, und es könnten noch deutlich mehr werden. Die beliebten Mobilställe sind davon besonders betroffen, weil sie sich inzwischen erst jenseits der Preisschwelle von 50 Cent je Ei rentieren. Biogetreide wird bei Landwirten nur sehr zögerlich abgerufen. Ölfrüchte und Proteinträger sind gesucht, und Dinkel kommt im Auf und Ab dem sprichwörtlichen Schweinezyklus immer näher. Erfahrene Biolandwirte sagen dazu nur: »Alles schon mal da gewesen«.

Bei vielen Produkten sind Kostensteigerungen unter Bio geringer als unter konventionell. Biobetriebe haben ihre eigene N-Produktion per Leguminosen. Selbst die Umstellung auf Biomilch kann sich derzeit trotz des historischen Preishochs für konventionelle Milch lohnen, weil die Kosten in Bio u.U. geringer sind und die Liquidität auch in der Umstellungszeit ohne Biobonus leichter gesichert werden kann. Voraussetzung ist dafür die gesicherte Abnahme der Biomilch auf Dauer. So bleiben die weiteren Aussichten in vielen Fällen das entscheidende Kriterium. Wer das Auf und Ab der Biomarktaussichten schon kennt, sieht den langfristigen Trend als weiterhin positiv an. Nur eben nicht so extrem wie im Corona-Bio-Boom.