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12 unterschiedliche Bundesländer mit unterschiedlichen Regionen

Der Beitrag fasst die Bio2030-Reise durch zwölf Bundesländer zusammen und zeigt, warum pauschale Bio-Flächenziele regional sehr unterschiedlich erreichbar sind: Grünlandstandorte, Ackerbauregionen, Tierhaltung, Nachfragezentren und professionelle Lieferketten bestimmen jeweils andere Umstellungschancen.

1. Juli 2023 Presse-Artikel Gustav Alvermann, Conrad ThimmRegionale Beschaffenheit
12 unterschiedliche Bundesländer mit unterschiedlichen Regionen
30 % Öko? Eine Frage des Standortes! 12 Bundesländer einzeln von Nord nach Süd und ein Gesamt-Fazit.

Bildbeschreibung: Die Karte zeigt Bio-Flächenanteile der Bundesländer und drei Quellenzitate. Schleswig-Holstein ist mit 7,0 %, Mecklenburg-Vorpommern mit 13,2 %, Niedersachsen mit 5,2 %, Brandenburg mit 14,4 %, Nordrhein-Westfalen mit 6,5 %, Sachsen-Anhalt mit 9,3 %, Sachsen mit 8,1 %, Thüringen mit 7,0 %, Hessen mit 15,9 %, Rheinland-Pfalz mit 11,7 %, Saarland mit 19,4 %, Baden-Württemberg mit 13,7 % und Bayern mit 12,4 % beschriftet. Zusätzlich sind die Aussagen „Bei uns geht Bio nur mit Geflügel.“ (Bernd Wiese, Weser-Ems), „Unter 50 Bodenpunkten ist Bio meist im Vorteil.“ (Stefan Palme, Brandenburg) und „Wenn die Nachfrage weiter so wächst, können noch viele umstellen.“ (Marlene Hupfauer, Oberbayern) sichtbar.

Mehr als ein Drittel Flächenanteil im Alpenvorland, keine 1% in Weser-Ems: Auch der Ökolandbau hat seine regionalen Schwerpunkte. Pauschale Ausbauziele wie 30% passen daher nicht überall. Denn Ziele sind nur realistisch, wenn die Vielfalt der Bedingungen verstanden wird und die Umsetzung durch die Landwirte selbst erfolgt. In Beiträgen in den DLG-Mitteilungen und dazugehörigen Podcasts haben Gustav Alvermann und Conrad Thimm von bio2030.de im ersten Halbjahr 2022 die relevanten Faktoren generell und für die Bundesländer im Einzelnen beleuchtet.

Schleswig-Holstein. Ausgeprägt maritime Regenverteilung: ungünstig für Biowinterungen, aber Gunstlage für Sommerungen auf mildem Boden (Gemüse in Dithmarschen); Milch und Rindfleisch auf Dauergrünland und Ackerfutterbau.

Niedersachsen. Hoher Bioumsatz – geringe Biofläche. Im Norden: Biomilch mit unter 10000 kg/ha. Im Osten: Biokartoffeln und Gemüse mit Beregnung. Im Süden: alles Biomögliche. Im Westen: Biogeflügel im Futter-HTK-Kreislauf.

Mecklenburg-Vorpommern. In den küstennahen Getreidebaugebieten wenig Bio; hohe Bedeutung der Bioeiererzeugung auf regionaler Futtergrundlage; Rindfleisch auf Dauergrünland.

Brandenburg. Arme Böden + geringe Niederschläge + reiches Berlin = viel Biofläche. Große Betriebe, niedrige Pachtpreise, viel Mähdruschfrüchte, großes Potential für Bio bei Milch, Eiern, Kartoffeln und Gemüse, Obst und Fleisch. Engpass: Lieferketten.

Nordrhein-Westfalen. Wenig Bio in Intensivregionen mit konventionell hohen Umsätzen; Biokonzepte mit hoher Wertschöpfung durch Regionalvermarktung von Gemüse, Milch, Eiern, und Schweinen; Biorindfleisch auf Dauergrünland der Mittelgebirge.

Ausgeprägte Grünlandregionen bieten gute Voraussetzungen für »Öko«. — Foto: landpixel
Ein kaufwilliges und -kräftiges Publikum wie das Berliner stimuliert die Nachfrage. — Foto: Frank Peters/stock.adobe.com

Sachsen-Anhalt. Geringe Niederschläge auf leichten Böden im Norden und Osten führen zu viel Biofläche eher extensiv, und auf besten Schwarzerden im Süden zu wenig Biofläche mit interessanten Kulturen wie Zuckerrüben, Soja, Raps, Sonnenblumen, Öl-Lein etc. Engpass: Verarbeitung.

Hessen. Hoher Landes-Bioanteil fußt auf extensivem Dauergrünland der Mittelgebirge. Höhere Bewirtschaftungs-Intensität in den teureren Ackerbau-Regionen (Hackfrüchte, Veredelung, Direktvermarktung).

Rheinland-Pfalz. Viel extensives Bio-Grünland in den Mittelgebirgen bringen hohe Bio-Flächenanteile. Intensiver Bio-Wein- und Gemüsebau bringt wenig Bio-Fläche, aber mehr Geld.

Thüringen. Hohe Konkurrenzfähigkeit des Bio-Ackerbaues in Trockengebieten – vorausgesetzt gute Stickstoffkreisläufe. Wenig Tierhaltung mit Schwerpunkt in den Grünlandregionen und wenig regionale Verarbeitung.

Sachsen. Die Vielfalt der Standorte, Böden, Niederschläge und Märkte fordern höchst unterschiedliche Konzepte, Milchvieh auch bei über 1.000 ha, Gemüsebau mit Beregnung, Milch- und Mutterkühe im Erzgebirge, Direktvermarktung in den Metropolregionen.

Bayern. Hoher Bundesanteil bei Bio-Milch und Bio-Acker; prägend: Milch aus dem Alpenvorland, Soja und Mais in bayrischen Ackerregionen, Sonnenblumen in Unterfranken, Gemüse in den angestammten Gebieten. Hohe Zahl an mittelständischen Verarbeitern.

Baden-Württemberg. Die Hälfte der Bio-Fläche ist Streu-Obst. Die andere Hälfte wunderbar gemischt mit allem, Milch, Fleisch, Getreide, Obst Gemüse und Wein, super Direktvermarktung für sehr viele, interessierte, kaufkräftige Kunden. Dazu warmer Regen im Mai und auch Biogas und Photovoltaik.

Gesamtfazit zum Ökologischen Landbau in Deutschland

Nach der Bio2030 Reise durch 12 Bundesländer: Gesamtfazit zum Ökologischen Landbau in Deutschland (Zahlenbasis:1.1. 2021)

  • Bei 10 % Bio-Anteil an der landwirtschaftlichen Fläche ist Dauergrünland mit ca. 19 % in seinem Segment deutlich überrepräsentiert.
  • Eine meist noch bestehende Verbundwirtschaft zwischen Pflanze und Tier und ein niedriger Pachtpreis sind die Grundlage für diesen Vorsprung. Die Umstellung ist vergleichsweise niedrigschwellig.
  • Der deutsche Acker wird zu 6,5 % bio bewirtschaftet – dieser deutliche Unterschied zum Dauergrünland hat viele Gründe und ist die Senke für einen höheren Bio-Flächenanteil in Deutschland – über 70 % der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland wird geackert.
  • Ein hoher regionaler Spezialisierungsgrad ist der Hauptgrund für den geringeren Umstellungserfolg im Ackerbau. Zu viele Tiere (>1,5 GV/ha in Nord-Westdeutschland) oder zu wenige Tiere (ausgeräumte Ackerbau-regionen wirken gleichermaßen umstellungshemmend.
  • Ackerbauliche Bewirtschaftungskonzepte adaptieren die jeweiligen Betriebs- und Standort-Voraussetzungen und unterscheiden sich sehr. Einzelne Ackerbauregionen kombinieren mehrere Gunstfaktoren und erreichen so regional deutlich höhere Anteile als im Bundesschnitt.
  • Neben der Fläche des Dauergrünlandes erreichen bestimmte Erzeugnisse zweistellige Bio-Anteile (Frischeier 14 % der Menge, Obst 20 % der Fläche, Gemüse 13 %, Wein 10 %).
  • Für diese Produktbereiche sind im Gegensatz zum meist extensiv bewirtschafteten Bio-Dauergrünland nicht Flächenprämien umstellungsentscheidend sondern eine spezifische Nachfrage und ein professioneller Organisationsgrad der Lieferketten.
  • „Normale“ landwirtschaftliche Erzeugnisse haben auffallend niedrige Bio-Mengen-Anteile: Raps < 1 %, Schweine < 1%, Zuckerrübe < 2%, Milch in Nord-West- und Ost-Deutschland 2 %, Getreide 3 %.
  • Das grundlegende Lösungskonzept des ökologischen Landbaues resultiert aus einem landwirtschaftlichen Gemischtsystem mit Pflanze und Tier im Verbund und vielen verschiedenen Kulturen. Nur noch wenige Umstellungsbetriebe bieten heute dafür eine günstige Basis - 1 % der Umsteller waren 2021 in Niedersachsen dem Gemischt-System zuzuordnen.
  • Die Umstellungs-Akquise seitens der Bundesregierung (Ziel: 20-30 % Bio-Anteile) dürfte via Flächenprämien ihren Zenit überschritten haben. Ergänzend wird das akribische Arbeiten an Lieferketten mit regionalen Akteuren eine Schlüsselstellung einnehmen müssen – dazu die Förderung von Infrastruktur.