Extensives Grünland und Sonderkulturen …
… das charakterisiert »Bio« in Rheinland-Pfalz. Klassische Ackerbau- und Milchviehbetriebe spielen dagegen eine deutlich geringere Rolle. Die Musik spielt bei Gemüse, Obst und Wein, berichtet Conrad Thimm. Hier ist der Mangel an Arbeitskräften ein großes Problem.
Rheinland-Pfalz lag 2020 mit 11,7 % Bioflächenanteil geringfügig über dem bundesweiten Schnitt von 10,3 %. Den größten Anteil hat daran, wie überall, extensives Grünland, das überwiegend von Mutterkühen genutzt wird. Mit Westerwald, Eifel, Hunsrück und Pfälzer Wald hat Rheinland-Pfalz zusammen mit Hessen den größten Anteil an Wäldern aller Bundesländer. Das fällt mit guten Bedingungen für preisgünstiges Grünland zusammen. 376 Biomutterkuhhaltern stehen nur 80 Milchviehhalter gegenüber. Ein auch im Deutschlandvergleich hoher Grünlandanteil von 64 % der Biofläche bringt aber kaum Umsatz, zumal ein Großteil der Tiere konventionell abgesetzt wird.
Das gilt mehr noch für das benachbarte Saarland, das bei den niedrigsten Pachtpreisen (< 100 €/ha im Schnitt aller Acker- und Grünlandpachten) die höchsten Bioflächen- wie Grünlandanteile aller Bundesländer hat. Wegen seiner geringen Größe wird ihm kein separater Beitrag in dieser Öko-Regionalserie gewidmet.
Die enge Beziehung zwischen extensivem Grünland- und Bioflächenanteilen hat einen einfachen Grund. Beträgt die Bioprämie 200 €/ha, die Pacht aber unter 100 €/ha, dann liegt »Öko« nahe. Das wird besonders anschaulich bei drei benachbarten Landkreisen dreier Bundesländer, die jeweils sowohl beim Wald-, Grünland- und Bioflächenanteil Spitzenwerte aufweisen: Westerwaldkreis (Rheinland-Pfalz, 30,7 % Bioanteil), Siegen-Wittgenstein (Nordrhein-Westfalen, 34 %), und Lahn-Dill-Kreis (Hessen, 41,7 %, der bundesweite Spitzenwert). Mit Abstand folgen Altenkirchen im Westerwald (25,2 %), Neuwied (20,3 %) sowie die beiden an das Saarland grenzenden Kreise Birkenfeld (17,3 %) und Kusel (17,1 %).
Die Preise für Biorindfleisch waren überzogen. Die Absatzkanäle sind weg.
Bildbeschreibung: Die Karte stellt die Ökoflächenanteile der Landkreise in Rheinland-Pfalz und im Saarland für das Jahr 2020 (in %) dar. Die ausgewiesenen Werte reichen vom Höchstwert 30,7 % (Westerwaldkreis) bis zu 5,1 %, 5,7 % und 6,2 %; weitere beschriftete Kreise zeigen u. a. 20,3 %, 18,9 %, 17,9 %, 17,7 %, 17,0 %, 14,4 %, 13,1 %, 12,1 %, 11,9 %, 10,7 %, 10,6 %, 10,4 %, 9,0 %, 8,8 %, 8,5 %, 7,5 %, 7,3 %, 6,9 % und 26,9 % bzw. 21,4 %. Mehrere Kreise sind mit »k.A.« (keine Angabe) ausgewiesen. In die Karte eingetragen sind drei im Beitrag vorgestellte Betriebe: Hanneke Schönhals (Biebelnheim), Walter Knies (Bobenheim) und Volker Jonas (Schweich). Quelle: Statistische Dienste des Bundes und der Länder.
Wie steht es mit den anderen Tierarten? Bei Biolegehennen überwiegen kleinere Haltungen von im Schnitt 264 Tieren, während der Bundesschnitt bei über tausend Legehennen je Betrieb liegt. 93 Biobetriebe halten im Schnitt 74 Schafe, 61 Halter im Schnitt 31 Ziegen und 44 Ökolandwirte im Schnitt 26 Schweine pro Betrieb. Während somit die Ökoschaf- und ziegenhaltung in Rheinland-Pfalz im bundesweiten Vergleich relativ typisch sind, ist die Schweinehaltung im Vergleich zu 129 Tieren im Bundesschnitt eher gering.
Aktuell laufen die konventionellen besser als die Öko-Zwiebeln.
Wein, Gemüse und Obst. Bio-Umsatz wird in Rheinland-Pfalz aber nicht vor allem mit Grünland, sondern mit Gemüse sowie Wein und Obst gemacht. Im Freiland-Gemüsebau ist vor allem die Vorderpfalz mit ihrem günstigen Klima und ihrer frühen und langen Anbausaison führend. Biogemüse belegt zwar nur 2 % der Bioflächen im Land. Das ist aber doppelt so viel wie in anderen Bundesländern. Bioackerbau wird in Rheinland-Pfalz nur auf unter 17 000 ha oder 26 % der Bio-LF betrieben. Der einzige Kreis mit einem hohen Bioflächenanteil, der nicht vom Grünland geprägt ist, ist die Stadt Frankenthal mit 18,9 %. Ausgerechnet im Angesicht der BASF bieten Boden und Klima hier optimale Gemüsebaubedingungen, und die Pachten liegen jenseits von 800 €/ha. Bei mittleren Bioflächenanteilen von 10 bis 14 % gibt es auch in den umliegenden Vorderpfalz-Kreisen über 50 Biogemüsebaubetriebe, die im Schnitt um die 25 ha bewirtschaften. Der konventionelle Gemüsebau-Betriebsdurchschnitt liegt in der Gegend bei 45 ha. Während bundesweit vor allem Biobetriebe neu in den Gemüsebau einsteigen, die konventionell Zuckerrüben angebaut oder Schweine gemästet haben, sind es in der Pfalz traditionelle Gemüsebauern, die in bio mehr oder weniger die gleichen Kulturen anbauen wie schon vorher konventionell.
Das große Plus des Gemüsebaus in Rheinland-Pfalz sind seine frühe Marktreife und die Länge der Vegetationszeit. In Bio spielt auch der Pfälzer Vertragsanbau von Gemüse und Kräutern für Tiefkühl- und Babykost eine bedeutende Rolle. Neben den natürlichen Standortfaktoren sind die relativ großen Biogemüseflächen, die große Erfahrung und die Infrastruktur entscheidend. Eine besondere Rolle spielen dabei die Pfalzmarkt e. G. als Bündler, ein Gemüse-Tiefkühl-Werk mitten in der Region sowie die schon früh begonnene Zusammenarbeit mit dem LEH.
Ausblick. Eine Verdreifachung der Biofläche in Rheinland-Pfalz bis 2030 erscheint extrem unwahrscheinlich. Zumal die »klassische« Landwirtschaft dort eher kleinstrukturiert ist und weniger dynamisch als anderswo auftritt. Am ehesten könnten die Bioflächenanteile durch höhere Bioprämien vor allem für Grünland und durch Nachfragebooms bei Wein, Rindfleisch und Gemüse ausgedehnt werden. Allerdings ist gerade der Biogemüsebau sehr personalintensiv und damit besonders betroffen von Fachkräftemangel und Mindestlohn. Neueste Hacktechnik kombiniert mit Robotik zum Hacken in der Reihe kann helfen, diese Hindernisse etwas zu senken, aber nicht komplett zu versenken.
Conrad Thimm, bio2030, Barth
Der »Sonderfall« Weinbau
Die Weinanbaugebiete Rheinhessen und Pfalz sowie daneben Ahr, Mosel, Mittelrhein und Nahe beanspruchen mit zusammen 64 000 ha etwas unter 10 % der LF. Davon sind fast 14 % Bio, was für knapp 3/4 des deutschen Bioweinbaus steht. Bioweinbaubetriebe in Rheinland-Pfalz bewirtschaften im Schnitt 13 ha, konventionelle 8 ha. Je größer der Betrieb, desto mehr lohnen sich spezifische Marketingmaßnahmen. Die sind auch für Bioweine nötig, die keine Selbstläufer sind. Mit Regionalität können sie nur begrenzt punkten, denn die Herkunftsangabe ist bio wie konventionell gleich geregelt. In den letzten Jahren hat sich der Anteil der biodynamisch wirtschaftenden Weinbaubetriebe deutlich erhöht. Die Pachten für Rebflächen liegen hier wie dort bei über 1 000 €/ha.
Für den Austausch und die gemeinsame Lobbyarbeit sind von den 600 Bioweinbaubetrieben in Rheinland-Pfalz 200 im Verband Ecovin zusammengeschlossen – von 250 Mitgliedsweingütern insgesamt. Die große Herausforderung des Bioweinbaus in Deutschland ist der Umgang mit pilzlichen Schadorganismen. Trotz intensiver Suche und diversen Forschungsprojekten ist noch keine zuverlässige Alternative für den problematischen Einsatz von Kupfer gefunden worden. Der Anteil pilzwiderstandsfähiger Rebsorten ist noch klein. Er wächst jedoch und ist (wenn die an Riesling, Silvaner oder Müller-Thurgau gewohnten Kunden mitspielen) eine Strategie zur Reduktion des Kupfereinsatzes.
Für uns liegt die Zukunft in pilzwiderstandsfähigen Rebsorten.